 Sandkorn
ist vermögend ihn im Genuss seiner Glückseligkeit zu stören, ihn zu quälen, ja
seinem Leben ein Ende zu machen. Es ist wahr, die ganze Natur ist ihm dienstbar:
aber er muss sie gleichsam nötigen, es zu sein; und ohne seine Hände, ohne seinen
Witz, ohne seinen unverdrossenen Fleiß, würde dieser Planet, der ihm zur
Anbauung angewiesen ist, bald zu einer unwirtbaren Wildnis werden. Aber wie
sollte der einzelne Mensch einem solchen Geschäfte gewachsen sein? Es ist
augenscheinlich, dass die ganze Gattung sich vereinigen muss, um ihre natürliche
Herrschaft über den Erdboden zu behaupten, und dass ein jeder seine besondere
Sicherheit, sein besonderes Wohlsein, nur in dem vollkommensten und
glücklichsten Zustande der ganzen Gattung findet. Daher diese allgemeinen
Gesetze der menschlichen Natur, welche durch die Absonderung der Menschen in
besondere Gesellschaften zwar verdunkelt und auf mannigfaltige Weise verfälscht
worden sind, aber, so lange der Mensch kein Mittel findet sich eine andere Natur
zu geben, notwendig allgemein verbindliche Gesetze für die ganze Gattung
bleiben. Ein sehr fühlbarer Beweis, dass sie es sind, liegt darin, weil die
Menschen für jede Übertretung dieser Gesetze durch die notwendigen Folgen dieser
Übertretung gestraft, weil sie in eben dem Grade, wie sie den Pflichten der
Natur untreu sind, unglücklich und elend werden. Diese Betrachtung zeigt das
höchste Wesen aus einem neuen Gesichtspunkte. Der Urheber der Natur ist auch der
Gesetzgeber der Natur; und eben dadurch, weil die Beobachtung oder Übertretung
seiner Verordnungen die unumgängliche Bedingung der Glückseligkeit oder des
Elendes unsrer Gattung ist, erkennen wir in seiner Gesetzgebung zugleich den
Urheber der Natur, den Wohltäter des Menschen und den vollkommensten Verstand.
    Aber auch hier steht die Vernunft noch nicht still. Der Mensch erfährt,
mitten im Genuss derjenigen Glückseligkeit, welche ihm der weiseste Genuss der
Dinge außer ihm geben kann, dass sie unfähig sind ihm die vollkommne
Glückseligkeit zu geben, die er wünscht; und seine so oft betrogene Hoffnung
erhebt ihre Augen endlich nach einem unvergänglichen Gute, nach demjenigen,
welches das Urbild und die Quelle alles Schönen und Guten ist. In ihm glaubt sie
das letzte Ziel aller ihrer Wünsche, und in der unmittelbaren Vereinigung mit
ihm den höchsten Endzweck des Daseins aller empfindenden Wesen zu sehen. Die
Seele fühlt bei diesem großen Gedanken den Kreis ihrer Tätigkeit sich erweitern,
und jenseits der Grenzen dieses Lebens (wovon immer nur der gegenwärtige
Augenblick wirklich, der zukünftige ungewiss, und alles Vergangene Traum ist)
entdeckt sich ihrem verlangenden Auge eine bessere Zukunft. Und so zeigt sich
ihr das Wesen der Wesen aus einem dritten Gesichtspunkte, als das höchste Gut
und letzte Ziel aller erschaffenen Geister.
    Jedes dieser Verhältnisse der Gottheit gegen die Menschen beweiset bis zum
Augenschein, dass die Idee des unendlichen
