 der Natur äußerst
mangelhaft. Welch ein Unterschied zwischen dem engen Kreis, in welchen die
tierische Sinnlichkeit eingeschlossen ist, und dem grenzenlosen All, in welches
der erstaunte Geist hinaus sieht, sobald er einen Schöpfer der Welt erkennt,
dessen wohltätige Macht ebenso unbegrenzt ist als sein Verstand! Dschengis hegte
von dem höchsten Wesen eben diese reinen Begriffe, welche die Weisen der
ältesten Zeiten einer langen Betrachtung der Natur und vielleicht einem
unmittelbaren Umgang mit höheren Wesen zu danken hatten; Begriffe, die sich unter
den Philosophen des östlichen Teils der Erde eine lange Zeit erhalten haben, und
selbst durch alle Ungereimteiten des Aberglaubens und des Götzendienstes nicht
gänzlich ausgelöscht werden konnten.
    Das höchste Wesen, sagte Dschengis zu dem jungen Tifan, ist zwar den äußern
körperlichen Sinnen, aber nicht dem Geist unsichtbar, der, sobald er reif genug
worden ist, Ordnung und Zusammenstimmung, allgemeine Gesetze, wohltätige
Endzwecke und weislich gewählte Mittel in dem großen Schauplatze der Natur, der
uns umgibt, wahrzunehmen, an dem Dasein einer höchsten Weisheit und Güte, welche
gleichsam die allgemeine Seele des Ganzen ist, eben so wenig als an dem Dasein
seiner eignen Seele, die ihm nicht sichtbarer ist als jene, zweifeln kann. Die
Welt ist in allen ihren uns bekannten Teilen zu unvollkommen, um selbst das
höchste Wesen zu sein, und, im ganzen betrachtet, zu groß und vortrefflich, um
nicht das Werk eines höchsten Wesens zu sein. Ist sie dieses, so ist unser
Dasein, so sind die Fähigkeiten zu empfinden, zu denken, zu handeln, und durch
den rechten Gebrauch derselben in einem hohen Grade glücklich zu sein, so sind
die Beziehungen der ganzen Natur auf die Erhaltung, das Vergnügen und den Nutzen
des Menschen, eben so viele unschätzbare Wohltaten, welche wir dem Urheber der
Welt zu danken haben; und so weiset uns das Verhältnis eines allgemeinen
Wohltäters den ersten Gesichtspunkt an, aus welchem wir das höchste Wesen zu
betrachten haben.
    Die Erwägung der wunderbaren Ordnung, in welcher dieses aus einer so
unendlichen Menge verschiedener Teile zusammen gesetzte allgemeine Ganze
erhalten wird, leitet uns auf den Begriff eines besonderen Endzwecks für jede
besondere Gattung, und eines allgemeinen Zwecks für das ganze System der
Schöpfung. Diese Verbindung zu gemeinschaftlichen Zwecken führt uns auf die
mannigfaltigen Verhältnisse der Wesen gegen einander, und aus beiden entwickelt
sich der Begriff besonderer und allgemeiner Gesetze der Natur. Der Mensch, der
auf dem besonderen Schauplatz, auf den er sich gesetzt befindet, keine
vollkommnere Gattung erblickt als seine eigene, sieht sich doch bei allen seinen
Fähigkeiten und Vorzügen in einer unvermeidlichen Abhänglichkeit von allem was
ihn umgibt. Die ganze Natur muss ihre Kräfte vereinigen, um ihn von Augenblick zu
Augenblick im Dasein zu erhalten; das elendeste Insekt, das kleinste
