 Verzicht, noch Verjährung, sie können nur mit der
    menschlichen Natur verloren werden; und eben so gewiss lässt sich keine
    notwendige noch zufällige Ursache denken, welche einen Menschen, unter was
    für Umständen er sich auch befinde, von seinen wesentlichen Pflichten los
    zählen könnte.
III. Ein jeder ist dem andern schuldig, was er in den gleichen Umständen von ihm
    erwarten würde.
IV. Kein Mensch hat ein Recht, den andern zu seinem Sklaven zu machen.
V. Gewalt und Stärke gibt kein Recht, die Schwachen zu unterwerfen, sondern legt
    ihren Besitzern bloß die natürliche Pflicht auf, sie zu beschützen.
VI. Ein jeder Mensch hat, um einen gerechten Anspruch an Wohlwollen, Mitleiden
    und Hilfe von Seiten eines jeden Menschen zu haben, keinen andern Titel
    vonnöten, als dass er ein Mensch ist.
VII. Der Mensch, welcher von andern verlangen wollte, dass sie ihn köstlich
    nähren und kleiden, - mit einer prächtigen Wohnung und allen ersinnlichen
    Bequemlichkeiten versehen, - ihm, auf Unkosten ihrer Ruhe, Bequemlichkeit
    und Notdurft, alles nur mögliche Vergnügen gewähren, - unaufhörlich arbeiten
    um ihn aller Bemühung zu überheben, - sich bloß mit dem Unentbehrlichen
    behelfen, damit er seine üppigsten Begierden bis zur Ausschweifung
    befriedigen könne, - kurz, dass sie nur für ihn leben, und, um ihm alle diese
    Vorteile zu erhalten, jeden Augenblick bereit sein sollten, sich allen Arten
    des Ungemachs und Elends, dem Hunger und dem Durst, dem Frost und der Hitze,
    der Verstümmelung ihrer Gliedmaßen und den schrecklichsten Gestalten des
    Todes für ihn auszusetzen - der einzelne Mensch, der an zwanzig Millionen
    Menschen eine solche Forderung machen wollte, ohne sich schuldig zu halten,
    ihnen sehr große und mit solchen Diensten in gehörigem Ebenmasse stehende
    Gegendienste dafür zu leisten, - wäre ein Wahnsinniger, und müsste seine
    Forderung an Leute machen, die es noch mehr als er selbst wären, wenn er
    Gehör finden sollte.
Diese und tausend andre Sätze, welche sich aus ihnen ableiten lassen, fand der
junge Tifan gleichsam mit der eigenen Hand der Natur in seine Seele geschrieben.
Es waren eben so viele Gefühle, welche ihn der weise Dschengis in Grundsätze
verwandeln lehrte, deren überzeugender Kraft seine Vernunft eben so wenig
widerstehen konnte, als es in seiner Willkür stand, den Tag für Nacht, oder warm
für kalt zu halten. Er fand keine Vorurteile in seinem Gemüte, welche der vollen
Wirkung dieser Wahrheiten entgegen gearbeitet hätten. Alles was ihn umgab, weit
entfernt sie zu bestreiten und auszulöschen, erläuterte und bestätigte sie: und
da sich Dschengis sorgfältig hütete, ihm die unselige und hassenswürdige
Nachricht zu geben, dass der größte Teil der Menschen, durch eine beinahe
unbegreifliche Verderbnis des Verstandes und Willens, von jeher so
