 er selbst ist
vollkommen überzeugt, dass Hysum, unser Nachbar, ein ungleich besserer Mann ist
als er.«
    »Diese Betrachtung schmeichelt den Fürstensöhnen nicht«, sagte Schach-Gebal,
»und ich gestehe, dass ich sie nie gemacht habe; aber nun, da sie gemacht ist,
deucht mir, sie hat recht. Die Poeten und Romanschreiber die uns solche Dinge
weismachen wollen, verdienten etliche Dutzend Streiche auf die Fusssohlen dafür,
denn ich wette, sie glauben selbst kein Wort davon.«
    »Der junge Tifan verlor bei der Lebensart, worin ihn sein Pflegevater erzog,
die feine Lilienfarbe und das schwächliche Ansehen, welches, wenn er am Hofe zu
Scheschian erzogen worden wäre, ihn vermutlich von gemeinen Erdensöhnen
unterschieden hätte. Aber er gewann dafür einen starken und dauerhaften Körper,
eine männliche Sonnenfarbe, frisches Blut, und Lippen, in welche er nicht nötig
hatte zu beißen, um sie röter als reife Kirschen zu machen.
    Indessen war der weise Dschengis weit davon entfernt, die angeborene
Bestimmung seines Pflegesohns aus den Augen zu verlieren. Tifan hatte ihm zu
viel gekostet, als dass er sich hätte begnügen sollen, ihn bloß zu einem guten
Landmanne zu bilden; denn alles was der betörte Isfandiar tat, um die Nation so
schnell als möglich zu Grunde zu richten, machte es mehr als wahrscheinlich, dass
Tifan vielleicht eher als er dazu tüchtig wäre, sich aufgefordert finden könnte,
sein Recht an die Krone geltend zu machen. Dschengis setzte sich also nichts
Geringeres vor - und der bloße Vorsatz klingt schon widersinnig, so sehr hat er
das allgemeine Vorurteil wider sich -, als den jungen Tifan (ohne ihm, bis es
Zeit wäre, das Geringste von seinem Vorhaben merken zu lassen) mitten unter
lauter Hirten und Ackerleuten zu einem guten Fürsten zu bilden. Überzeugt, dass
Güte des Herzens ohne Weisheit eben so wenig Tugend, als Wissenschaft ohne
Tugend Weisheit ist, bemühte er sich, zu eben der Zeit, da er sein Gefühl für
das Schöne und Gute und jede sympatische und menschenfreundliche Neigung zu
nähren und in Fertigkeit zu verwandeln suchte, seinen Verstand von den
eingeschränkten Begriffen, die sich von den Gegenständen, die ihn umgaben, in
seiner Seele abdruckten, stufenweise zu den erhabenen Ideen der bürgerlichen
Gesellschaft, des menschlichen Geschlechts, der Natur, des Ganzen, und seines
geheimnisvollen aber anbetenswürdigen Urhebers zu erheben. Alle sittliche
Vollkommenheit eines Menschen, zu welchem besonderen Beruf er immer geboren sein
mag, hängt davon ab, dass diese Ideen in seinem Verstande, und die Gesinnungen,
welche sich aus ihnen bilden, in seinem Herzen die Herrschaft führen. Aber für
keinen Menschen ist dies unentbehrlicher als für denjenigen, der dazu berufen
ist, sittliche Ordnung in irgend einem besonderen
