, und es war ein Spiel für ihn, aus
einem Reitknechte, wenn es ihm einfiel, einen Fürsten zu machen. Dies war das
unfehlbare Mittel, jeden Überrest von Tugend und Ehre, der noch in den
ausgearteten Söhnen besserer Väter glimmte, zu ersticken. Die Edelen sanken, so
wie sie sich an eine solche Behandlung gewöhnen lernten, zu wirklichem Pöbel
herab; und wenn sie sich noch durch etwas von ihm unterschieden, so war es durch
einen höheren Grad von Unwissenheit und Ungezogenheit, durch schlechtere Sitten,
und einen vollständigern Verlust alles moralischen Gefühls, aller Scheu vor sich
selbst, vor dem Urteil ihrer Zeitgenossen, und vor dem furchtbaren und
unbestechlichen Gerichte der Nachwelt. Unfähig sich zu dem großen Gedanken ihrer
wahren Bestimmung zu erheben, unfähig sich in dem schönen Lichte geborner
Fürsprecher des Volkes und Mittler zwischen ihm und dem Thron anzusehen, setzten
sie ihre Ehre in eine unbedingte Unterwürfigkeit unter die gesetzlose Willkür
des Sultans; sie wetteiferten um den Vorzug, die Werkzeuge seiner schändlichsten
Leidenschaften, seiner ungerechtesten Befehle zu sein. Wer am niederträchtigsten
schmeicheln, am wurmähnlichsten kriechen, am geschicktesten betrügen konnte, wer
den Mut hatte einer Schandtat mit der unerschrockensten Miene unter die Augen zu
gehen, kurz wer sich aller dieser Schwachheiten der menschlichen Natur, die man
Scham, Mitleiden und Gewissen nennt, am vollkommensten entlediget, und in der
Fertigkeit des Lasters, in der Kunst, es mit dem edelsten Anstande, mit der
leichtesten Grazie auszuüben, den höchsten Gipfel erreicht hatte, - war der
beneidete Mann, den die geringeren Bösewichter mit Ehrfurcht ansahen; der Mann,
der gewiss war sein Glück zu machen, und nach welchem jedermann sich zu bilden
beflissen war. Zu einem so grässlichen Zustande von Verderbnis hatte das Gift der
Grundsätze des sinnreichen Eblis die Scheschianer gebracht; und so gewiss ist es,
dass die Menschen, eben so leicht als ein weiser und guter Fürst sie zu guten
Geschöpfen bilden kann, sich von einem Isfandiar zu Ungeheuern umgestalten
lassen.
    Dieser hassenswürdige Tyrann begnügte sich nicht, durch alle Arten von
Räuberei und Unterdrückung seine Untertanen so elend zu machen, als es, ohne sie
gänzlich und auf einmal aufzureiben, möglich war: er wollte sie auch dahin
bringen, dass sie unfähig wären die Tiefe ihres Elendes einzusehen. Wenn er dabei
die Absicht gehabt hätte, ihnen das Gefühl desselben zu benehmen, indem er
machte dass sie es für ihren natürlichen Zustand hielten, so hätte man es ihm
noch für einen Überrest von Menschlichkeit gelten lassen können. Aber Isfandiar
würde sehr beschämt gewesen sein, zu dem Verdachte, dass er einer solchen
Schwachheit fähig wäre, Anlass zu geben. Er hatte keine andre Absicht dabei, als
es ihnen unmöglich zu machen, auch nur den bloßen Gedanken zu fassen
