 das letzte Ziel seiner Wünsche.
Er kennt keine Seligkeit über dieser. Daher dieser unauslöschliche Hang zum
Despotismus, der dem armseligsten Erdensohn eben so angeboren ist als dem Erben
des größten Monarchen. In dem ganzen Scheschian ist kein einziger, welcher nicht
wünschte, dass alle übrige nur für sein Vergnügen beschäftigt sein müssten. Allein
die Natur der Sache bringt es mit sich, dass nur ein Einziger dieser Glückliche
sein kann: alle übrige sind durch die Notwendigkeit selbst dazu verurteilt,
sich, so lange sie leben, mehr oder weniger zu diesem letzten Wunsche des
Sterblichen empor zu arbeiten; und selbst das Glück, ihm nahe zu kommen, kann
nur Wenigen zu Teile werden. Was soll nun der Einzige hierbei tun, der, mit dem
vergötterten Diadem um die Stirne, oben auf der Spitze des Berges steht, und
nichts Höheres zu ersteigen sieht? Soll er sich etwann in dem Genuss seiner Wonne
durch albernes Mitleiden mit der wimmelnden Menge stören lassen, welche voll
klopfender Begierde sich aus der Tiefe empor zu heben versucht, und, neidische
Blicke auf die versagte Glückseligkeit heftend, bei jedem Tritt auf der
schlüpfrigen Bahn in Gefahr schwebt, durch das Gedränge ihrer Mitwerber oder
ihre eigene Hastigkeit tiefer, als sie empor gestiegen ist, wieder herunter zu
glitschen? Soll er vielleicht so höflich sein, einem unter ihnen Platz zu
machen? - Wahrhaftig! Sie mögen sehen, wie sie hinauf kommen; dies ist ihre
Sache. Die seinige ist, indem sie von Stufe zu Stufe zu ihm empor klettern, sich
ihrer Hände zu bedienen, um alle Güter und Freuden der Welt zu den Füßen seines
Trones aufhäufen zu lassen; und wenn ihm der Genuss alles dessen, was die
übrigen wünschen, noch eine Sorge verstatten kann, so ist es, zu verhindern, dass
von der wetteifernden Menge keiner hoch genug steige, ihn von seinem Gipfel
herab zu drängen. Nichts würde dem Einzigen gefährlicher sein, als wenn die
Menge alle Hoffnung in einen bessern Zustand zu kommen verlöre. Diese Hoffnung
ist die wahre Seele eines Staats; mit ihr versiegt die Quelle des politischen
Lebens; eine allgemeine Untätigkeit verkündigt, gleich der Todesstille vor einem
Sturme, die schrecklichen Wirkungen der Verzweiflung, unter welchen schon so
manche Tronen Asiens eingestürzt sind. Aber nichts ist leichter als diesem Übel
zuvorzukommen. Es gibt zwischen dem Tagelöhner und dem Sultan so viele Stufen;
und jede der höheren Stufen ist für den, der einige Grade tiefer steht, so
beneidenswürdig, dass etliche Beispiele, welche von Zeit zu Zeit die Hoffnung zu
steigen in den letztern wieder anfrischen, hinreichend sind, den Staat in dieser
Geschäftigkeit zu unterhalten, wodurch alle Glieder desselben, indem sie bloß
ihren eigenen Vorteil zu befördern glauben, dem glücklichen Einzigen dienstbar
werden
