 eine zu große Belohnung für die
Erfindung einer neuen Pomade sei. Keiner von seinen Dienern konnte eine Stunde
lang auf seine Gnade zählen; und das schlimmste war, dass man sie durch
Wohlverhalten eben so leicht als durch Übeltaten verscherzen konnte. Der einzige
Eblis besaß das Geheimnis sich ihm unentbehrlich zu machen, und, ohne einen
andern als den Titel seines Günstlings, den Hof und den Staat eben so
willkürlich zu regieren als der Sultan selbst. Ich hatte vielleicht unrecht, das
Mittel, dessen er sich dazu bediente, ein Geheimnis zu nennen; denn im Grunde
kann nichts einfacher sein. Es bestand in der Kunst, sich in alle Launen seines
Herrn zu schicken, ihn alles tun zu lassen was er wollte, und für alle seine
Unternehmungen, so ausschweifend sie sein mochten, Mittel zu schaffen.«
    »Das letzte ist eben so leicht nicht, als du dir einbildest«, sagte der
Sultan.
    »Sire«, versetzte Danischmend, »nach des Günstlings Grundsätzen und Art zu
verfahren konnte nichts leichter sein. Nach ihm hatte der Sultan das Recht zu
nehmen, so lange seine Untertanen etwas hatten, das ihnen genommen werden
konnte.«
    »Und wenn sie nichts mehr hatten?«
    »Dieser Fall war, seiner Meinung nach, so bald noch nicht zu besorgen.
    Der Hunger, und die Begierde nach einem Zustande, worin sie müßig gehen
können, wird sie schon arbeiten lehren, pflegte er zu sagen, und so lange sie
arbeiten, können sie geben.«
    »Dieser Eblis fürchtete sich also nicht vor den Folgen der Mutlosigkeit?«
    »Das Übel war, dass er dem Sultan eine Philosophie beigebracht hatte, welche
die menschliche Natur in seinen Augen verächtlich machte. Er sah die Menschen
für nichts besseres als eine Gattung von Tieren an, von welcher sich mehr
Vorteile ziehen lassen als von irgend einer andern; und in der Kunst, sie für
ihren Gebieter zu gleicher Zeit so nützlich und so unschädlich als möglich zu
machen, bestand, nach ihm, das große Geheimnis der Regierungskunst. Man hätte
ihm diesen Grundsatz gelten lassen können, wenn er vorausgesetzt hätte, dass der
Vorteil des Gebieters und des Staats allezeit einerlei sei. Aber dies war es
nicht was er damit wollte.
    Der Mensch, sagte Eblis, ist aus zwei entgegen gesetzten Grundneigungen
zusammen gesetzt, deren vereinigte Wirkung ihn zu dem macht was er ist: Hang zum
Müßiggang und Hang zum Vergnügen. Ohne den letztern würde ihn jener ewig in
einer unüberwindlichen Untätigkeit erhalten; aber so groß sein Abscheu vor
Abhänglichkeit und Arbeit ist, so ist doch sein Hang zum Vergnügen noch stärker.
Um beide zu vereinigen, ist ein Zustand von Unabhänglichkeit, worin er alles
mögliche Vergnügen ohne einige Bemühung genösse,
