 von Sternheim gleichen, getraue ich
mir ganze Stunden allein hinzubringen.«
    »So, und Sie brächten mit diesem schönen Einfall mein Haus in den Ruf, dass
es darin spüke!«
    »Das möchte ich wohl; um alle übrige Kavaliere abzuhalten, hieher zu kommen;
aber dann würde ich auch den reizenden Geist zu beschwören suchen, dass er sich
wegtragen ließe.« -
    »Gut, Graf F**, gut, das ist artig gesagt!« wurde in dem Zimmer von allen
wiederholt.
    »Nun meine Nichte, würden Sie sich beschwören lassen?«
    »Ich weiß sehr wenig von der Geisterwelt«, antwortete ich; »doch glaube ich,
dass für jedes Gespenst eine eigne Art von Beschwörung gewählt werden müsse, und
die Entsetzung, die ich dem Grafen bei meiner Erscheinung verursachte, lässt mich
denken, dass ich unter dem Schutz eines mächtigern Geistes bin, als der ist, der
ihn beschwören lernt.«
    »Vortrefflich, vortrefflich, Graf F**. Wie weiter?« rief der Oberste von
Sch***.
    »Ich habe doch mehr erraten als Sie alle«, antwortete der Graf; »denn
wenngleich das Fräulein kein Geist ist, so sehe ich doch, dass sie unendlich viel
Geist haben müsse.«
    »Das mögen Sie erraten haben, und das war vermutlich auch der Grund, warum
Sie in dieses Schrecken gerieten«, sagte das Fräulein von C**, Hofdame bei der
Prinzessin von W***, die bisher sehr stille gewesen war.
    »Sie misshandeln mich immer, meine ungnädige C**. Denn Sie wollen doch damit
sagen, der kleine Geist hätte sich vor dem größeren zu fürchten angefangen.«
    Ja, dachte ich, in diesem Scherz ist in Wahrheit viel Ernst Ich bin wirklich
eine Gattung von Gespenstern, nicht nur in diesem Hause, sondern auch für die
Stadt und den Hof. Jene kommen, wie ich, mit der Kenntnis der Menschen unter
sie, und verwundern sich über nichts, was sie sehen und hören; machen aber, wie
ich, Vergleichungen zwischen dieser Welt und der, woher sie kommen, und jammern
über die Sorglosigkeit, womit die Zukunft behandelt wird; die Menschen aber
bemerken an ihnen, dass diese Geschöpfe, ob sie wohl ihre Form haben, dennoch
ihrem innerlichen Wesen nach nicht unter sie gehören.
    Das Fräulein Von C** ließ sich hierauf in eine Unterredung mit mir ein, an
deren Ende sie mir viele Achtung bewies und den höflichen Wunsch äußerte, öfters
in meiner Gesellschaft zu sein. Sie ist sehr liebenswürdig, etwas größer als
ich, wohl gewachsen, ein großes Ansehen in ihrem Gang und der Bewegung ihres
Kopfs; ein länglicht Gesicht, nach allen Teilen schön gebildet, blonde Haare und
die vortrefflichste Gesichtsform; einnehmende Züge
