 kommen? Da ich nun
weit von dem unfreundlichen Stolz entfernt bin, der unter Personen von Glück und
Rang den Satz erdacht hat, man müsse dem gemeinen Mann weder aufgeklärte
Religionsbegriffe geben noch seinen Verstand erweitern, so wünsche ich, dass mein
Pfarrer, aus wahrer Güte gegen seinen Nächsten, und aus Empfindung des ganzen
Umfangs seiner Obliegenheiten, zuerst bedacht wäre, seiner anvertrauten Gemeinde
das Maß von Erkenntnis beizubringen, welches ihnen zu freudiger und eifriger
Erfüllung ihrer Pflichten gegen Gott, ihre Obrigkeit, ihren Nächsten und sich
selbst nötig ist. Der geringe Mann ist mit der nämlichen Begierde zu Glück und
Vergnügen geboren wie der größere und wird, wie dieser, von den Begierden oft
auf Abwege geführt. Daher möchte ich ihnen auch richtige Begriffe von Glück und
Vergnügen geben lassen. Den Weg zu ihren Herzen, glaube ich, könne man am
ehesten durch Betrachtungen über die physikalische Welt finden, von der sie am
ersten gerührt werden, weil jeder Blick ihrer Augen, jeder Schritt ihrer Füße
sie dahin leitet. - Wären erst ihre Herzen durch Erkenntnis der wohltätigen Hand
ihres Schöpfers geöffnet, und durch historische Vergleichungen von ihrem
Wohnplatz und ihren Umständen mit dem Aufenthalt und den Umständen andrer
Menschen, die ebenso, wie sie, Geschöpfe Gottes sind, zufriedengestellt, so
zeigte man ihnen auch die moralische Seite der Welt und die Verbindlichkeiten,
welche sie darin zu einem ruhigen Leben für sich selbst, zum Besten der Ihrigen
und zur Versicherung eines ewigen Wohlstands zu erfüllen haben. Wenn mein
Pfarrer nur mit dem guten Bezeugen der letzten Lebenstage seiner Pfarrkinder
zufrieden ist, so werde ich sehr unzufrieden mit ihm sein. Und wenn er die
Besserung der Gemüter nur durch sogenannte Gesetz- und Strafpredigten erhalten
will, ohne den Verstand zu öffnen und zu überzeugen, so wird er auch nicht mein
Pfarrer sein. - Wenn er aufmerksamer auf den Fleiß im Kirchengehen ist als auf
die Handlungen des täglichen Lebens, so werde ich ihn für keinen wahren
Menschenfreund und für keinen guten Seelsorger wahren Menschenfreund und für
keinen guten Seelsorger halten.
    Auf die Schule der guten Einrichtung derselben und die angemessene Belohnung
des Schulmeisters werde ich alle Sorge tragen; mit der nötigen Nachsicht
verbunden, welche die Schwachheit des kindlichen Alters erfordert. Es soll darin
ein doppelter Katechismus gelehrt werden; nämlich von den Christenpflichten, wie
er eingeführt ist, und bei jedem Hauptstück eine deutliche, einfache Anwendung
dieser Grundsätze auf ihr tägliches Leben; und dann ein Katechismus von
gründlicher Kenntnis des Feld- und Gartenbaues, der Viehzucht, der Besorgung der
Gehölze und Waldungen und dergleichen, als Pflichten des Berufs und der
Wohltätigkeit gegen die Nachkommenschaft. Überhaupt wünsche ich, meine
Untertanen erst gut gegen ihren Nächsten zu sehen, ehe sie einen Anspruch an das
Lob der Frömmigkeit machen.
    Dem
