 Wort. - »Keine List,
Lord Rich! Ich will ohne Kunst werden, was Sie so sehnlich wünschen, dass ich
sein möge.« - Er ließ sich auf ein Knie nieder, segnete mich, küsste meine Hände
mit eifriger Zärtlichkeit und eilte weg. »Sagen Sie noch nichts«, rief ich ihm
nach, »ich bitte Sie.« Da war ich und weinte, und entschloss mich, Lady Seimour
zu werden; ich bekräftigte diesen Entschluss am Ende eines Gebets an die
göttliche Vorsicht.
    Nachschrift. Nun weiß es Lord Seimour. Seine Entzückungen gehen über die
Kräfte meiner Feder. Meine Gräfin Douglas umarmte mich mütterlich, Lord Rich als
ein zärtlicher Bruder. Der gute Lord Seimour bewacht mich, als ob er besorgte,
es möchte jemand meine Entschließung ändern. Sein Kammerdiener ist an seine Frau
Mutter geschickt, welche an Tugend und Geist eine zweite Lady Summers sein muss.
O segnen Sie mich, meine Freunde! Mein Herz schlägt ruhig. Wie selig macht eine
Entschließung, die von Tugend, Weisheit und Rechtschaffenheit gebilliget wird!
Nun freue ich mich auf die Reise zu dem Grabe meiner Eltern. Zu den Füßen ihres
Leichensteins will ich mit meinem Gemahl knien und ihren himmlischen Segen auf
diese Verbindung erflehen. Tränen des Danks will ich auf ihre Asche vergießen,
für die Liebe der Tugend und der Wohltätigkeit, die sie in meine Seele gossen,
und für die Sorge, die sie nahmen, mir richtige Begriffe von wahrem Glück und
Unglück zu geben! - Meine Emilia werd' ich umarmen, meine Untertanen sehen! O
glückliche, selige Aussichten! Mein lieber Lord Seimour sucht seinem Bruder
nachzufolgen; in allem fragt er ihn - und mit wie vieler zärtlicher
Erkenntlichkeit sehe ich Lord Richs Bemühung um meine Glückseligkeit, indem er
alles versucht, den ungleichen und oft reißenden Lauf von Seimours Charakter ins
Gleiche und Sanfte zu ändern. Er ist, sagt er, ein schöner, aber stark
rauschender Bach, der im Grund eine Menge reiner Goldkörner führt.
                             Lord Rich an Doktor T.
Ich komme vom Altar, wo mein Bruder eine ewige Verbindung, und ich eine ewige
Freiheit meiner Hand geschworen. Ich gab ihm jene Hand, die mein Herz sich lange
wünschte und von deren Mitwerbung ich abstund, weil ich mehr Stärke in mir
fühlte, einen Verlust zu ertragen, als er hat. Es war die Seele, die Gesinnungen
der Lady Seimour, die ich liebte. Ihre Papiere, die sie in der vollen
Aufrichtigkeit ihres Herzens schrieb, beweisen mir, dass sie das Beste mir
schenkte, so in ihrer Gewalt war; wahre Hochachtung für meinen Charakter, wahres
Vertrauen, zärtliche Wünsche für mein Glück. Der unauflöslich rätselhafte
Eigensinn eines einmal gefassten Vorzugs hatte schon lange
