 dass
sie einst als geschickte und rechtschaffene Männer ihren Platz in der
Gesellschaft einnehmen könnten. Der Ursprung des Adels wäre kein besonderes
Geschenk der Vorsicht, sondern die Belohnung der zum Nutzen des Vaterlandes
ausgeübten vorzüglichen Tugenden und Talente gewesen. Der Reichtum sei die
Frucht des unermüdeten Fleißes und der Geschicklichkeit; es stünde bei ihnen,
sich auch auf diese Art vor andern ihresgleichen zu zeigen, weil Tugend und
Talente noch immer die Grundsteine der Ehre und des Glücks sein.
    Ihren Töchtern sollen Sie sagen, dass sie neben den Tugenden der Religion
auch die Eigenschaften edelgesinnter liebenswürdiger Frauenzimmer besitzen
müssen und dass sie dieses ohne großen Reichtum werden und bleiben könnten.
    Unser Herz und Verstand sind dem Schicksal nicht unterworfen. Wir können
ohne eine adelige Geburt edle Seelen und ohne großen Rang einen großen Geist
haben; ohne Reichtum glücklich und vergnügt und ohne kostbaren Putz durch unser
Herz, unsern Verstand und unsre persönliche Annehmlichkeiten sehr liebenswürdig
sein und also durch gute Eigenschaften die Hochachtung unsrer Zeitgenossen als
die erste und sicherste Stufe zu Ehre und Glück erlangen.
    Dann sagen Sie ihnen ihre Einkünfte und die Anwendung, die sie davon, nach
den Pflichten für die Bedürfnisse ihres Körpers in Nahrung und Kleider, für die
Bedürfnisse ihres Geistes und Vergnügens an Lehrmeistern, Büchern und
Gesellschaften machen wollten. Nennen Sie auch den zurücklegenden Pfennig als
eine Pflicht der Klugheit für künftige Zufälle.
    Wir brauchen Nahrung, um die Kräfte unsers Körpers zu unterhalten. Und
diesen Endzweck der Natur können wir durch die simpelsten Speisen am leichtesten
erreichen. Diese werden von dem kleinen Einkommen nicht zuviel wegnehmen und wir
folgen dadurch der Stimme der Natur für unsre Gesundheit und geben zugleich
unserm Schicksal nach, welches uns die Ausschweifungen unsrer Einbildung ohnehin
nicht erlaubte. Und da der Reiche nach dem schwelgerischen Genuss des Überflusses
seine Zuflucht zu einfachen Speisen und Wasser nehmen muss, um seine Gesundheit
wiederherzustellen, warum sollten wir uns beklagen, weil wir durch unser
Verhängnis gezwungen sind, in gesunden Tagen den einfachen Foderungen der Natur
gemäß zu leben? Kleider haben wir zur Bedeckung und zum Schutz gegen die Anfälle
der Witterung nötig; diesen Dienst erhalten wir von den geringen und wohlfeilen
Zeugen wie von den kostbaren. Die meinem Gesichte anständige Farbe und die
Schönheit der Form muss bei dem ersten wie bei dem letzten gesucht werden; habe
ich diese, so habe ich die erste Zierde des Kleides. Ein edler Gang, eine gute
Stellung, die Bildung, so mir die Natur gab, können meinem netten einfachen Putz
ein Ansehen geben, das der Reiche bei alle seinem Aufwand nicht allezeit erhält;
und bei Vernünftigen wird mir meine Mäßigung ebensoviel Ehre machen, als der
Reiche in dem Wechsel seiner Pracht immer finden kann.
    Müssen wir in unserm Hausgeräte den Mangel vieles Schönen und Gemächlichen
ertragen, so wollen
