 ist, als die schwere Kunst, seiner
Untertanen Wohlstand zu ersorgen. Ein Kaiser fängt an schläfrig zu werden, noch
erwacht er zu Zeiten, und hat den Mut, seinen Schönen zu entgehen. Sein Sohn
schläft tiefer, und der Enkel erwacht nicht mehr. Der Monarch bleibt auch im
Alter ein Jüngling, was seine Veränderung sein sollte, wird sein Geschäfte. Die
Verschnittenen, die Wazire, die Häupter der Leibwache herrschen für ihn,
tausenderlei Unterdrückungen nehmen unter dem Schutze Gaben nehmender Großen
überhand. Der leidende Untertan findet keine Hilfe, er hat sein ganzes Leben
durch den Kaiser nicht gesehen, und seine helfende Hand nie gefühlt. Eifersucht
und Furcht rät an, die Beschützer des Landes selber zu stürzen; die schwachen
Regenten verlangen nicht mehr kriegerische Feldherren, die ihnen gefährlich sein
könnten. Alle Arme der Regierung werden gelähmt: das Herz des Volkes ist
verloren. Hier wird ein Türke, eine Buide, der erbliche Oberherr der
angebeteten Kaliffen: dort stürzt ein Tschu den unentschlossenen Tauwang Timur
vom ersten Throne der Welt, und treibt ihn in die Wüsteneien Scytiens. Unter
den streitbaren Usbecken reiben die Enkel des mächtigen Timurs einander grimmig
auf. Musste nicht Ulugbeg, der weise, noch neulich von den Händen eines
Vatermörders sterben? Wo ist nun der Vorzug der vielen Frauen, der zahlreichen
Enkel?
    Usong hoffet, der junge Dschuneid werde durch den Unterricht weiser Männer,
und durch die Ermahnungen seiner vortrefflichen Mutter, zu einem Fürsten
erwachsen, bei dem die Völker den Usong vergessen. Er schmeichelt sich sein
Stamm werde frei vom Brudermorde bleiben: und eine gute Auferziehung ist, nach
seinen Gedanken, die wahre Stütze eines herrschenden Erbhauses.
    Scherins Herz ergab sich nicht, das sanfte Gift der Wollust hatte ihn
bezaubert, aber sein Verstand fand keine Antwort.
    Doch wagte er noch einen Angriff auf seinen erhabenen Freund. Ist es
möglich, sagte er, dass Usongs Kräfte der Arbeit widerstehen, deren er sich
unterzieht? wird er nicht an den Jahren eines abgekürzten Lebens mehr Stunden
verlieren, als er jetzt sich selber, seiner billigen Erquickung missgönnt? Ist
denn der Thron ein Ort der Strafe, wovon die Ruhe verbannt ist, wo kein Lust dem
erschöpften Herrscher sich nähern darf?
    Das sollten mein Freund und ich überlegt haben, als wir von Anah auszogen,
unsere Hoffnungen bis zu Persiens Throne sich schwingen hießen, und die
Besorgung so vieler Millionen Menschen ehrsüchtig übernahmen. Itzt ists zu spät,
sich der Mühe zu entziehn, die zur Pflicht geworden ist. Doch ich öfne dir mein
Herz. Ich fühle keine Last, mir ist der Zepter nicht schwer. Ich sehe jede
Stunde wie eine Gnade an, die das oberste Wesen auf mich fallen lässt,
tropfenweise fallen lässt, auf dass ich
