 als bloße Feldherren, als die besten Jäger,
zu Anführern gesetzt worden, aber über ihr Volk keine Gewalt gehabt haben. Was
ein jedes Mitglied der Gesellschaft ihr zum Besten verrichtete, war sein
Eigentum, und der Ruhm seiner Tat blieb ihm gesichert. Tausenderlei
Ermunterungen, und die vornehmste von allen, die laute Hochachtung der
Mitbürger, belohnte einen jeden Tugendhaften, da der neidische Despot alles Lob
als einen Weihrauch ansieht, der nur den Göttern und ihm zugehört. Nicht gewohnt
Beschimpfungen zu erdulden, bleiben freie Völker gegen eine jede Schande höchst
empfindlich, und ziehen ihr den Tod vor: weil ohne Ehre zu leben ein
fortwährendes Elend ist.
    Aber warum sind eben Freistaate in den Abendländern, und im Morgen
unumschränkte Herrschaften entstanden?
    Zeno versetzte: so viel ich von der Geschichte der Welt kenne, so sind in
den äußerst unfruchtbaren Ländern, wo die Menschen wegen der sparsamen Nahrung
überaus zerstreuet wohnen, weder Fürsten noch Obrigkeiten. Man hat unter dem
nördlichen Angelstern23 Völker entdeckt, die unter einem eisernen Himmel leben,
deren Erde nur Stein und Eis ist, und die bloß das stürmische Meer ernährt.
Diese Völker sind alle vollkommen ohne Obrigkeiten, und leben ohne Gesetze und
ohne Strafe. Da die Erde für sie zu groß ist, und sie selten mit einander zu
streiten haben, da, sie nichts gemeinschaftliches besitzen, so leben sie, fast
wie die ihnen ähnlichen Tiere, ungesellig und ohne Regierung.
    In kalten, aber doch zur Jagd gelegenen Ländern, leben die Menschen näher
beisammen, und die Furcht vor den reißenden Tieren hat sie gezwungen, durch
ein gesellschaftliches Leben sich zu verstärken. Diese Völker sind auch frei,
und alle Glieder der Gesellschaft einander gleich. Ihre zu allen Beschwerden
abgehärteten Gemüter lassen sich weder schrecken noch zwingen, und sie
übergeben das angebohrne Vorrecht der Freiheit keinem Tyrannen. Nur hat ein
Anführer eine eingeschränkte Macht, die vormals mit der Notwendigkeit zu Ende
ging. Auf diese Grundsätze waren ursprünglich alle europäische Herrschaften
gegründet.
    In den mildesten Gegenden, wo wenige Morgen Acker viele Hausgesinde ernähren
können, wohnten die Menschen dichter beisammen, und bauten die ersten Städte.
Der Wert des Besitzes war hier größer, und der Streit zwischen den Bürgern,
und einer jeden Stadt mit den benachbarten Städten, war gemeiner. Die Natur
macht die Einwohner der mildern Gegenden für die Wollust empfindlicher und
begieriger, in ihrem Zorn und in ihrem Hasse grausamer, und in allen ihren
Trieben unmässiger. Die Heftigkeit der Leidenschaften in diesen Gegenden würde
sie zu Missetaten führen; die Eifersucht und die Rachbegierde, würden die Bande
der Gesellschaft zerreißen, wenn sie nicht mit Zwangmitteln gezäumet würden.
Hier entstunden Könige, denen man eine schnelle Ausführung der Macht
anvertraute, weil sie schnellen Übeln, und den Ausbrüchen
