. Kaum hat die Welt einen Timur
bewundert, so folgen auf ihn unwürdige Enkel, wollüstige, träge, unfähige
Fürsten. Die Wahl, die in einem freien Staate den verachteten, den ehrlosen, den
untüchtigen ausschliesst, hat keine Kraft wider die Rechte der Geburt. Ein großes
Volk muss sich einem Wütriche, einem Sardan-Pul unterziehen, und geht mit ihm zu
Grunde. So sind die Timuriden verschwunden, die Enkel der Geisel der Welt.
    Usong sprach: Ich will den abendländischen Weisen nicht die
Ungerechtigkeiten entgegen setzen, die durch den Rat freier Staaten nicht eben
selten begangen worden sind. Ich will nicht darauf dringen, dass zu Rom der
Ehrgeitz den Rat, und selbst einen tugendhaften Kato, eben so oft zu
ungerechten Kriegen aufgebracht hat, als bei den Osmannen oder beim Timur die
Lust zur Vergrößerung. Ich gestehe es auch ein, dass es gefährlich ist, einem
Menschen eine unumschränkte Macht zu lassen; bei Gott ist die Allmacht an ihrer
Stelle, denn er ist allweise, und allgütig. Ich finde selbst, dass mein Herz sich
wider die plötzlichen und unüberlegten Todesurteile erhebet, die in den
Morgenländern so gemein sind; diese schleunige Ausübung mörderischer Befehle ist
für den Untertan unerträglich, und auch für den Herrscher gefährlich. Wann es
nichts kostet als zu wollen, so werden die Menschen immer zu viel wollen, und
durch eben diese willkührliche Anwendung ihrer Gewalt verlieren die Fürsten das
Zutrauen ihrer Untertanen, und werden zuletzt durch den gesammelten allgemeinen
Hass wie reissende Tiere überwältiget. Mir ist das Blut des geringsten Persers
unschätzbar: niemand hat die Macht es zu vergießen, als das Gesetz.
    In Persien habe ich getrachtet eine Staatsverfassung einzuführen, die für
den Herrscher nicht gefährlich wäre, und wobei das Volk die Ausbrüche
willkührlicher Leidenschaften nicht zu besorgen hätte. Eine freie
Staatsverfassung scheint den Morgenländern nicht angemessen (Hier bückte sich
der Patan, und bezeugte durch seine Gebärden, dass er eine Einwendung hätte,
schwieg aber mit Ehrerbietung); ihre heftigen Leidenschaften scheinen also
Schranken zu bedürfen, die nur die monarchische Macht nachdrücklich behaupten
kann. Es blieb übrig, die Perser vor der Unterdrückung sicher zu stellen.
    Ein jeder Untertan, ein jeder Gerichtshof, ein jeder Teil der
Staatsverwaltung, muss das Recht haben, sich an den Kaiser zu wenden: sie müssen
nicht nur ihre eigenen Angelegenheiten zu betreiben, sondern auch die Notdurft
des Reiches zu beherzigen frei sein: über alle Zweige der Regierung nimmt hier
der Beherrscher ungeahndet und ungestraft Vorstellungen an.
    Der Kaiser verdammt niemand, auch diejenigen nicht zum Tode, die so frech
wären, ihn persönlich zu beleidigen. Alle Strafen, alle Verurteilungen werden
von den Gerichtshöfen überlegt, und darüber die mehreren Meinungen eingeholt. Ein
guter Kaiser hat nicht zu befürchten,
