 seiner brüllenden Stimme. Gehe an die Höfe, du wirst
Leute finden, welche das Glück, worin sie schimmern, der Empfehlung eines
Kammerdieners, der Gunst einer Dame, die sich für ihre Talente verbürgt hat,
oder der Gabe des Schlafs schuldig sind, womit sie befallen werden, wenn der
Vezier mit ihren Weibern scherzt. Nichts ist in diesem Lande der Bezauberungen
gewöhnlicher, als einen unbärtigen Knaben in einen General, einen Pantomimen in
einen Staatsminister, einen Kupplerin einen Oberpriester verwandelt zu sehen;
ein Mensch ohne alle Verdienste kann oft durch ein einziges Talent, und wenn es
auch nur das Talent eines Esels wäre, zu einem Glücke gelangen, das ein andrer
durch die größten Verdienste vergeblich zu erhalten gesucht hat. Wer könnte
demnach zweifeln, dass die Kunst der Sophisten nicht fähig sein sollte, ihrem
Besitzer auf diese oder jene Art die Gunst des Glückes zu verschaffen?
Vorausgesetzt, dass er die natürlichen Gaben besitze, ohne welche der Mann von
Verstand in der Welt allezeit dem Narren Platz machen muss, der damit versehen
ist. Allein selbst auf dem Wege der Verdienste ist niemand gewisser sein Glück
zu machen, als ein Sophist. Wo ist der Platz, den er nicht mit Ruhm bekleiden
wird? Wer ist geschickter die Menschen zu regieren als derjenige, der am besten
mit ihnen umzugehen weiß? Wer schickt sich besser zu öffentlichen
Unterhandlungen? Wer ist fähiger der Ratgeber eines Fürsten zu sein? Ja, wofern
er nur das Glück auf seiner Seite hat, wer wird mit grösserm Ruhm ein Kriegsheer
anführen als er? Wer wird die Kunst besser verstehen, sich für die
Geschicklichkeit und die Verdienste seiner Subalternen belohnen zu lassen? Wer
wird die Vorsicht, die er nicht gehabt, die klugen Anstalten, die er nicht
gemacht, die Wunden, die er nicht bekommen hat, besser gelten zu machen wissen,
als er?
    Doch es ist Zeit einen Discurs zu enden, der für beide ermüdend zu werden
anfangt. Ich habe dir genug gesagt, um den Zauber zu vernichten, den die
Schwärmerei auf deine Seele gelegt hat; und wenn dieses nicht genug ist, so
würde alles überflüssig sein was ich sagen könnte. Glaube übrigens nicht,
Kallias, dass der Orden der Sophisten einen unansehnlichen Teil der menschlichen
Gesellschaft ausmache. Die Anzahl derjenigen die unsre Kunst ausüben, ist in
allen Ständen sehr beträchtlich, und du wirst unter denen die ein großes Glück
gemacht haben, schwerlich einen einzigen finden, der es nicht einer geschickten
Anwendung unsrer Grundsätze zu danken habe. Diese Grundsätze machen die
gewöhnliche Denkungsart der Hofleute, der Leute die sich dem Dienste der Großen
gewidmet haben, und überhaupt derjenigen Klasse von Menschen aus, die an jedem
Orte die edelsten und angesehensten sind, und (die wenigen
