 Atenienser Vorteil zu ziehen und ihre Leidenschaften zu
lenken; diese machten seine ganze Regierungskunst aus. Er verwickelte die
Republik in ungerechte und unglückliche Kriege, er erschöpfte die öffentliche
Schatzkammer, er erbitterte die Bundsgenossen durch gewaltsame Erpressungen; und
damit das Volk keine Zeit hätte, eine so schöne Staats-Verwaltung genauer zu
beobachten, so bauete er Schauspielhäuser, gab ihnen schöne Statuen und Gemälde
zu sehen, unterhielt sie mit Tänzerinnen und Virtuosen, und gewöhnte sie so sehr
an diese abwechselnden Ergötzungen, dass die Vorstellung eines neuen Stücks, oder
der Wettstreit unter etlichen Flötenspielern zuletzt Staats-Angelegenheiten
wurden, über welchen man diejenigen vergaß die es in der Tat waren. Hundert
Jahre früher würde man einen Perikles für eine Pest der Republik angesehen
haben; allein damals würde Perikles ein Aristides gewesen sein. In der Zeit
worin er lebte, war Perikles, so wie er war, der größte Mann der Republik; der
Mann der Athen zu dem höchsten Grade der Macht und des Glanzes erhub, den es zu
erreichen fähig war; der Mann, dessen Zeit als das goldne Alter der Musen in
allen künftigen Jahrhunderten angezogen werden wird; und, was für ihn selbst das
interessanteste war, der Mann, für den die Natur die Euripiden und Aristophane,
die Phidias, die Zeuxes, die Damonen, und die Aspasien zusammen brachte, um sein
Privatleben so angenehm zu machen, als sein öffentliches Leben glänzend war. Die
Kunst über die Einbildungskraft der Menschen zu herrschen, die geheimen, ihnen
selbst verborgenen Triebfedern ihrer Bewegungen nach unserm Gefallen zu lenken,
und sie zu Werkzeugen unsrer Absichten zu machen, indem wir sie in der Meinung
erhalten, dass wir es von den ihrigen sind, ist also, ohne Zweifel, diejenige,
die ihrem Besitzer am nützlichsten ist, und dieses ist die Kunst welche die
Sophisten lehren und ausüben; die Kunst, welcher sie das Ansehen, die
Unabhänglichkeit und die glücklichen Tage, deren sie genießen, zu danken haben.
Du kannst dir leicht vorstellen, Kallias, dass sie sich in etlichen Stunden weder
lehren noch lernen lässt; allein meine Absicht ist auch für izt nur, dir
überhaupt einen Begriff davon zu geben. Dasjenige, was man die Weisheit der
Sophisten nennt, ist die Geschicklichkeit sich der Menschen so zu bedienen, dass
sie geneigt sind, unser Vergnügen zu befördern, oder überhaupt die Werkzeuge
unsrer Absichten zu sein. Die Beredsamkeit, welche diesen Namen erst alsdann
verdient, wenn sie im Stand ist, die Zuhörer, wer sie auch sein mögen, von allem
zu überreden, was wir wollen, und in jeden Grad einer jeden Leidenschaft zu
setzen, die zu unsrer Absicht nötig ist; eine solche Beredsamkeit ist unstreitig
ein unentbehrliches Werkzeug, und das vornehmste wodurch die
