 demjenigen, der sich aus einem Zustand von Mangel und
Abhänglichkeit empor schwingen will, nichts anders übrig, als dass er sich die
Geschicklichkeit erwerbe, den Vorteil und das Vergnügen der Lieblinge des
Glückes zu befördern. Unter den vielerlei Arten, wie dieses geschehen kann, sind
einige dem Menschen von Genie, mit Ausschluss aller übrigen, vorbehalten, und
teilen sich nach ihrem verschiedenen Endzweck in zwo Klassen ein, wovon die erste
die Vorteile, und die andre das Vergnügen des beträchtlichsten Teils einer
Nation zum Gegenstand hat. Die erste, welche die Regierungs-und Kriegs-Künste in
sich begreift, scheint ordentlicher Weise nur in freien Staaten Platz zu finden;
die andre hat keine Grenzen als den Grad des Reichtums und der Üppigkeit eines
jeden Volks, von welcher Art seine Staatsverfassung sein mag. In dem armen Athen
wurde ein guter Feld-Herr unendlichmal höher geschätzt, als ein guter Maler; in
dem reichen und wollüstigen Athen gibt man sich keine Mühe zu untersuchen, wer
der tüchtigste sei, ein Kriegsheer anzuführen; man hat wichtigere Dinge zu
entscheiden; die Frage ist, welche unter etlichen Tänzerinnen die artigsten Füße
hat, und die schönsten Sprünge macht? ob die Venus des Praxiteles, oder des
Alcamenes die schönere ist? - Die Künste des Genie von der ersten Klasse führen
für sich allein selten zum Reichtum. Die großen Talente, die großen Verdienste
und Tugenden, die dazu erfodert werden, finden sich gemeinlich nur in armen und
emporstrebenden Republiken, die alles, was man für sie tut, nur mit
Lorbeerkränzen bezahlen. In Staaten aber, wo Reichtum und Üppigkeit schon die
Oberhand gewonnen haben, braucht man alle diese Talente und Tugenden nicht,
welche die Regierungskunst zu erfodern scheint. Man kann in solchen Staaten
Gesetze geben, ohne ein Solon zu sein; man kann ihre Kriegsheere anführen, ohne
ein Leonidas oder Temistokles zu sein Perikles, Alcibiades, regierten zu Athen
den Staat, und führten die Völker an; obgleich jener nur ein Redner war, und
dieser keine andre Kunst kannte, als die Kunst sich der Herzen zu bemeistern. In
solchen Republiken hat das Volk die Eigenschaften, die in einem despotischen
Staate der Einzige hat, der kein Sklave ist; man braucht ihm nur zu gefallen, um
zu allem tüchtig befunden zu werden. Perikles herrschte, ohne die äußerlichen
Zeichen der königlichen Würde zu tragen, so unumschränkt in dem freien Athen,
als Artaxerxes in dem untertänigen Asien. Seine Talente, und die Künste die er
von der schönen Aspasia gelernt hatte, erwarben ihm eine Art von Oberherrschaft,
die nur desto unumschränkter war, da sie ihm freiwillig zugestanden wurde; die
Kunst eine große Meinung von sich zu erwecken, die Kunst zu überreden, die Kunst
von der Eitelkeit der
