 bemerkt, dass die Glückseligkeit, welche wir suchen, nur in dem
Stand einer Gesellschaft, die sich schon zu einem gewissen Grade der
Vollkommenheit erhoben hat, statt finde. In einer solchen Gesellschaft
entwickeln sich alle diese mannichfaltigen Geschicklichkeiten, die bei dem
wilden Menschen, der so wenig bedarf, so einsam lebt, und so wenig
Leidenschaften hat, immer müßige Fähigkeiten bleiben. Die Einführung des
Eigentums, die Ungleichheit der Güter und Stände, die Armut der einen, der
Oberfluss, die Üppigkeit und die Trägheit der andern, dieses sind die wahren
Götter der Künste, die Mercure und die Musen, denen wir ihre Erfindung oder doch
ihre Vollkommenheit zu danken haben. Wie viel Menschen müssen ihre Bemühungen
vereinigen, um einen einzigen Reichen zu befriedigen! Diese bauen seine Felder
und Weinberge, andre pflanzen seine Lustgärten, noch andre bearbeiten den
Marmor, woraus seine Wohnung aufgeführt wird; tausende durchschiffen den Ozean
um ihm die Reichtümer fremder Länder zuzuführen; tausende beschäftigen sich, die
Seide und den Purpur zu bereiten, die ihn kleiden; die Tapeten, die seine Zimmer
schmücken; die kostbaren Gefäße, woraus er isst und trinkt; und die weichen
Lager, worauf er der wollüstigsten Ruhe genießt. Tausende müssen in schlaflosen
Nächten ihren Witz verzehren, um neue Bequemlichkeiten, neue Wollüste, eine
leichtere und angenehmere Art die leichtesten und angenehmsten Verrichtungen,
die uns die Natur auferlegt, zu tun, für ihn zu erfinden, und durch die
Zaubereien der Kunst, die den gemeinsten Dingen einen Schein der Neuheit zu
geben weiß, seinen Ekel zu täuschen, und seine vom Genuss ermüdeten Sinnen
aufzuwecken. Für ihn arbeitet der Maler, der Tonkünstler, der Dichter, der
Schauspieler, und überwindet unendliche Schwierigkeiten, um Künste zur
Vollkommenheit zu treiben, welche die Anzahl seiner Ergötzungen vermehren
sollen. Allein alle diese Leute, welche für den glücklichen Menschen arbeiten,
würden es nicht tun, wenn sie nicht selbst glücklich zu sein wünschten. Sie
arbeiten nur für denjenigen, der ihre Bemühung für sein Vergnügen belohnen kann.
Der König von Persien selbst ist nicht mächtig genug, den Zeuxes zu zwingen, dass
er ihm eine Leda male. Nur die Zauberkraft des Goldes, welchem eine allgemeine
Übereinkunft der gesitteten Völker den Wert aller nützlichen und angenehmen
Dinge beigelegt hat, kann den Genie und den Fleiß einem Midas dienstbar machen,
der ohne seine Schätze kaum so viel wert wäre, dem Maler, der für ihn arbeitet,
die Farben zu reiben. Die Kunst, sich die Mittel zur Glückseligkeit zu
verschaffen, ist also schon gefunden, mein lieber Kallias, sobald wir die Kunst
gefunden haben, einen genugsamen Vorrat von diesem Steine der Weisen zu
bekommen, der uns die ganze Natur unterwirft, der Millionen von unsers Gleichen
zu freiwilligen
