 Stunden einem ganzen Serail von Henrietten, Klementinen und
Emilien, (die Charlotten, Olivien und alle andern Göttinnen von dieser Art,
zusamt der schönen Magellone, mit eingerechnet,) vorziehen wollte - Gut; ein
Gemälde von dieser nämlichen alten Frau, von der Hand eines van Dyk, (wenn es
noch einen van Dyk gäbe) würde ein Kabinetstück machen, um welches ich alle
Liebes-Göttinnen und Grazien der Vanloos und Bouchers, so wenig ich sonst ein
Feind von ihnen wäre, mit Freuden geben würde. Archytas, von der Hand eines
Apelles (wenn zu seiner Zeit ein Apelles gewesen wäre) würde das Gegenbild davon
sein. Agaton hatte nichts nötig, als ihn anzusehen, um überzeugt zu sein, dass
er endlich gefunden habe, was er so oft gewünscht, aber noch nie gefunden zu
haben geglaubt hatte, ohne dass er in der Folge auf eine oder die andere Art
seines Irrtums überführt worden wäre - - einen wahrhaftig weisen Mann, einen
Mann, der nichts zu sein scheinen wollte, als was er wirklich war, und an
welchem das scharfsichtigste Auge nichts entdecken konnte, das man anders hätte
wünschen mögen. Die Natur schien sich vorgesetzt zu haben, durch ihn zu
beweisen, dass die Weisheit nicht weniger ein Geschenke von ihr sei, als der
Genie; und dass, wofern es gleich der Kunst nicht unmöglich ist, ein schlimmes
Naturell zu verbessern, und aus einem Silen, so der Himmel will, einen Socrates
zu machen, (ein Triumph, den die Kunst gleichwohl sehr selten davon trägt,) es
dennoch der Natur allein zukomme, diese glückliche Temperatur der Elemente,
woraus der Mensch zusammengesetzt ist, hervorzubringen, welche, unter einem
Zusammenfluss eben so glücklicher Umstände, endlich zu dieser vollkommenen
Harmonie aller Kräfte und Bewegungen des Menschen, worin Weisheit und Tugend in
Einem Punkt zusammenfliessen, erhöht werden kann. Archytas hatte niemalen weder
eine glühende Einbildungs-Kraft, noch heftige Leidenschaften gehabt; eine
gewisse Stärke, welche den Mechanismus seines Kopfs und seines Herzens
characterisierte, hatte von seiner Jugend an die Wirkung der Gegenstände auf
seine Seele gemässiget; die Eindrücke, die er von ihnen bekam, waren deutlich und
nett genug, um seinen Verstand mit wahren Bildern zu erfüllen, und die
Verwirrung zu verhindern, welche in dem Gehirne derjenigen zu herrschen pflegt,
deren allzuschlaffe Fibern nur schwache und matte Eindrücke von den Gegenständen
empfangen; aber sie waren nicht so lebhaft und von keiner so starken
Erschütterung begleitet, wie bei denjenigen, welche, durch zärtlichere Werkzeuge
und reizbarere Sinnen zu den entusiastischen Künsten der Musen bestimmet, den
zweideutigen Vorzug einer zauberischen Einbildungs-Kraft und eines unendlich
empfindlichen Herzens durch die Tyrannie der Leidenschaften, der sie, mehr oder
weniger, unterworfen sind,
