 unbeschreiblichen, fast vergötternden Wollust, in welcher sein Herz
zerfloss, als er es noch in seiner Gewalt hatte, Glückliche zu machen; und als
die Reinigkeit dieser göttlichen Lust noch durch keine Erfahrungen von der
Undankbarkeit und Bosheit der Menschen verdüstert und trübe gemacht wurde - -
diese Bilder, denen er sich noch so gerne überlässt - welche sich selbst in
seinen Träumen seiner gerührten Seele so oft und so lebhaft darstellen - - die
Seufzer, die Wünsche, die er diesen geliebten verschwindenden Schatten
nachschickt - - alle diese Symptomen sind uns Bürge dafür, dass er noch Agaton
ist; dass die Veränderung in seinen Begriffen und Urteilen, die neue Theorie von
allem dem, was wirklich ein Gegenstand unsrer Nachforschung zu sein verdient,
oder von Eitelkeit und Vorwitz dazu gemacht worden, welche sich in seiner Seele
zu entwickeln angefangen, die edleren Teile seines Herzens nicht angegriffen
habe; kurz, dass wir uns Hoffnung machen können, aus dem Streit der beiden
widerwärtigen und feindlichen Geister, wodurch seine ganze innerliche Verfassung
seit einiger Zeit erschüttert, verwirrt und in Gärung gesetzt worden, zuletzt
eine eben so schöne Harmonie von Weisheit und Tugend hervorkommen zu sehen, wie
nach dem System der alten Morgenländischen Weisen, aus dem Streit der Finsternis
und des Lichts, diese schöne Welt hervorgegangen sein soll.
 
                                  Elftes Buch
                                 Erstes Kapitel
                        Apologie des griechischen Autors
Bis hieher scheint die Geschichte unsers Helden, wenigstens in den
hauptsächlichsten Stücken, dem ordentlichen Lauf der Natur, und den strengesten
Gesetzen der Wahrscheinlichkeit so gemäß zu sein, dass wir keinen Grund sehen, an
der Wahrheit derselben zu zweifeln. Aber in diesem eilften Buch, wir müssen es
gestehen, scheint der Autor aus dieser unsrer Welt, welche, unparteiisch von der
Sache reden, zu allen Zeiten nichts bessers als eine Werkel-Tags-Welt (wie
Shakespear sie irgendwo nennt) gewesen ist, ein wenig in das Land der Ideen, der
Wunder, der Begebenheiten, welche gerade so ausfallen, wie man sie hätte
wünschen können, und um alles auf einmal zu sagen, in das Land der schönen
Seelen, und der utopischen Republiken verirret zu sein. Es steht bei den
Lesern, ihm hierin soviel Glauben beizumessen, als sie gerne wollen; wir an
unserm Teil nehmen uns der Sache weiter nichts an; unsere Absichten sind bereits
erreicht, und die glücklichen oder unglücklichen Umstände, welche dem Agaton
noch bevorstehen mögen, haben nichts damit zu tun. Indessen glauben wir doch,
dass der Autor allen den gutherzigen Leuten, welche sich für den Helden einer
solchen Geschichte nach und nach interessieren, und gerne haben, wenn sich am
Ende alles zu allerseitigem Vergnügen, mit Entdeckungen, Erkennungen,
glücklichem Wiederfinden der verlorenen Freunde, und etlichen Hochzeiten endet,
einen Gefallen getan habe,
