 die uns dieser Beste aller Gedanken gibt - -
wenn er keinen Reiz, keine Macht auf seine Seele mehr hätte - - O! Agaton,
Agaton! dann würdest du, nicht unsern Hass, nicht eine lieblose Beurteilung,
nicht eine triumphierende Freude über deinen Fall, aber - - unser Mitleiden
verdienen.
    Die Gemüts-Verfassung worin wir ihn in diesem Kapitel gesehen haben, scheint
allerdings nicht sehr geschickt zu sein, uns über diesen Punkt seinetwegen außer
Sorgen zu setzen. Es ist eine so unbeständige Sache um die Begriffe, Meinungen
und Urteile eines Menschen! Die Umstände, der besondere Gesichts-Punkt, in den
sie uns stellen, die Gesellschaft worin wir leben, tausend kleine Einflüsse, die
wir einzeln nicht gewahr werden, haben soviel Gewalt über dieses unerklärbare,
launische, widersinnische Ding, unsre Seele! - - dass wir nicht Bürge dafür sein
wollten, was aus unserm Helden hätte werden können, wofern er mit solchen
Dispositionen in eine Gesellschaft von Hippiassen und Alcibiaden, oder zurück in
die schöne Welt zu Smyrna versetzt worden wäre. Zu gutem Glück sehen wir ihn im
Begriff, zu Leuten zukommen, welche ihn mit der Menschheit wieder aussöhnen, und
seinem schon erkaltenden Herzen diese beseelende Wärme wieder mitteilen werden,
ohne welche die Tugend eine bloße Spekulation ist, die zwar einen
unerschöpflichen Stoff zu scharfsinnigen Betrachtungen gibt, aber unter den
vielerlei chymischen Processen, welche die allzuspitzfündige Vernunft mit ihr
vornimmt, endlich ein so abgezogenes, so feines, so delicates Ding wird, dass
sich kein Gebrauch davon machen lässt.
    So sehr sich auch die Einbildungs-Kraft unsers Helden abgekühlt hat, so
unzuverlässig, übertrieben und grillenhaft er die Geister-Lehre und die
metaphysische Politik seines Freundes Plato zu finden glaubt; so comisch ihm
seine eigene Ausschweifungen in dem Stande der Bezauberung, worin er sich
ehemals befunden, vorkommen; so klein er überhaupt von den Menschen denkt, und
so fest er entschlossen zu sein vermeint, von dem schönen Phantom, wie er es izo
nennt, von dem Gedanken, sich Verdienste um seine Gattung zu machen, in seinem
Leben sich nicht wieder täuschen zu lassen; so ist es doch bei weitem noch nicht
an dem, dass er diese zarte Empfindlichkeit der Seele, und diesen eingewurzelten
Hang zu dem idealischen Schönen verloren haben sollte, der das geheime
Principium seiner ehemaligen Begeisterung, und aller der manchfaltigen
Schwärmereien, Bezauberungen und Entzückungen, in deren magischem Labyrinthe sie
ihn, nach Massgabe der Umstände, herumgeführt, gewesen ist. Die verstohlnen
Blicke, die er noch so gerne in die Szenen seiner glücklichen Jugend wirft; das
Bild der liebenswürdigen Psyche, welches durch alle Veränderungen, die in seiner
Seele vorgegangen, nichts von seinem Glanze verloren hat; die Erinnerung dieser
reinen,
