? - - und ihr hättet in keinem von diesen Fällen eine Heldentat
getan. Dass Agaton damals aus edelen Gesinnungen handelte, wissen wir - - von ihm
selbst; und wir haben Gründe, es ihm zu glauben - - aber er konnte sich mit der
grössesten Wahrscheinlichkeit einen glänzenden Success versprechen; und was für
ein Triumph war das für die Ruhmbegierde eines Jünglings von zwanzig Jahren? -
»Nun, so war er doch gewiss ein Held, da er gleichmütig und unerschütterlich sich
dem ungerechten Verbannungs-Urteil der Atenienser unterzog, und lieber das
äußerste erdulden, als seine Lossprechung einer Niederträchtigkeit zu danken
haben wollte! - - So war er's damals, da er von sich sagen konnte: Ich verwies
es der Tugend nicht, dass sie mir den Hass und die Verfolgungen der Bösen
zugezogen hatte; ich fühlte, dass sie sich selbst belohnt.« - - In der Tat, er
war in diesem Augenblick groß; aber wir müssen nicht vergessen, dass er sich
damals in einem außerordentlichen Zustande, auf dem äußersten Grade dieses
Enthusiasmus der Tugend befand, der den Menschen vergessen macht, dass er nur ein
Mensch ist. Diese Art von Heldentum daurt natürlicher Weise nicht länger, als
der Paroxysmus des Affects. Agaton war sich damals, als er so dachte, einer
unbefleckten Tugend bewusst; und zu was für einem Stolz musste dieses Gefühl seine
Seele in einem Augenblick aufschwellen, da sich ganz Athen zusammenverschworen
zu haben schien, ihn zu demütigen; in einem Augenblick, da dieser Stolz der
ganzen Last seines Unglücks das Gleichgewicht halten musste, und ihm den Triumph
verschafte, die Herren über sein Schicksal die ganze Obermacht, die ihm seine
Tugend über sie gab, fühlen zu lassen? Diese Art von Stolz gleicht in ihren
Wirkungen der Wut eines tapfern Mannes der zur Verzweiflung getrieben wird. Die
Gewissheit des Todes; in den er sich hineinstürzt, macht, dass er Taten eines
Unsterblichen tut. Aber Agaton hatte dermalen nicht mehr soviel Ursache, auf
seine Tugend stolz zu sein. Eben diese entusiastische Gemüts-Beschaffenheit,
welche ihm bei seiner Verbannung zu Athen die Gesinnungen eines Gottes
eingehaucht, hatte ihn zu Smyrna den Schwachheiten eines gemeinen Menschen
ausgesetzt. Er dachte nicht mehr so groß von sich selbst, und da ihm nun, in
ähnlichen Umständen, dieser heroische Stolz nicht mehr zu statten kommen konnte,
so musste sich derselbe notwendig in diejenige Art von Misantropie verwandeln,
welche sich über die ganze Gattung erstreckt. In diesem Stücke, wie in vielen
andern, ist die Geschichte Agatons die Geschichte aller Menschen. Wir denken so
lange groß von der menschlichen Natur, als wir groß von uns selber denken;
unsere Verachtung hat alsdann nur einzelne Menschen oder kleinere Gesellschaften
zum Gegenstand. Aber
