 nachdem er sich anheischig
gemacht hatte, die Person eines Ratgebers und Vertrauten bei dem Könige Dionys
zu spielen. Er sah alle, oder doch einen großen Teil der Schwierigkeiten, einen
solchen Plan zu machen, der ihm durch den Labyrinth des Hofes und des
öffentlichen Lebens zum Leitfaden dienen könnte. Aber er glaubte, dass der
mangelhafteste Plan besser sei, als gar keiner; und in der Tat war ihm die
Gewohnheit, seine Ideen worüber es auch sein möchte, in ein System zu bringen,
so natürlich geworden, dass sie sich, so zu sagen, von sich selbst in einen Plan
ordneten, welcher vielleicht keinen andern Fehler hatte, als dass Agaton noch
nicht völlig so übel von den Menschen denken konnte, als es diejenigen
verdienten, mit denen er zu tun hatte. Indessen dachte er doch lange nicht mehr
so erhaben von der menschlichen Natur, als ehmals; oder richtiger zu reden, er
kannte den unendlichen Unterschied zwischen dem metaphysischen Menschen, welchen
man sich in einer speculativen Einsamkeit erträumt; dem natürlichen Menschen, in
der rohen Einfalt und Unschuld, wie er aus den Händen der allgemeinen Mutter der
Wesen hervorgeht; und dem gekünstelten Menschen, wie ihn die Gesellschaft, ihre
Gesetze, ihre Gebräuche und Sitten, seine Bedürfnissen, seine Abhänglichkeit,
der immer währende Kontrast seiner Begierden mit seinem Unvermögen, seines
Privat-Vorteils mit den Privat-Vorteilen der übrigen, die daher entspringende
Notwendigkeit der Verstellung, und immerwährenden Verlarvung seiner wahren
Absichten, und tausend dergleichen physicalische und moralische Ursachen in
unzähliche betrügliche Gestalten ausbilden - - er kannte, sage ich, nach allen
Erfahrungen, die er schon gemacht hatte, diesen Unterschied der Menschen von dem
was sie sein könnten, und vielleicht sein sollten, bereits zu gut, um seinen
Plan auf platonische Ideen zu gründen. Er war nicht mehr der jugendliche
Entusiast, der sich einbildet, dass es ihm eben so leicht sein werde, ein großes
Vorhaben auszuführen, als es zu fassen. Die Atenienser hatten ihn auf immer von
dem Vorurteil geheilt, dass die Tugend nur ihre eigene Stärke gebrauche, um über
ihre Hässer obzusiegen. Er hatte gelernt, wie wenig man von andern erwarten
kann; wie wenig man auf sie Rechnung machen, und (was das wichtigste für ihn
war) wie wenig man sich auf sich selbst verlassen darf. Er hatte gelernt,
wieviel man den Umständen nachgeben muss; dass der vollkommenste Entwurf an sich
selbst oft der schlechteste unter den gegebenen Umständen ist; dass sich das Böse
nicht auf einmal gut machen lässt; dass sich in der moralischen Welt, wie in der
materialischen, nichts in gerader Linie fortbewegt, und dass man selten anders
als durch viele Krümmen und Wendungen zu einem guten Zweck gelangen kann - -
Kurz
