 oder - - dürfen. Übrigens weiß man, was für eine wichtige
Person in den comischen Tragödien, wovon wir reden, der edle Hans Wurst
vorstellt, der sich, vermutlich zum ewigen Denkmal des Geschmacks unsrer
Voreltern, auf dem Theater der Hauptstadt des deutschen Reichs erhalten zu
wollen scheint. Wollte Gott, dass er seine Person allein auf dem Theater
vorstellte! Aber wie viele große Aufzüge auf dem Schauplatze der Welt hat man
nicht in allen Zeiten mit Hans Wurst - - oder, welches noch ein wenig ärger ist,
durch Hans Wurst - - aufführen gesehen? Wie oft haben die grössesten Männer, dazu
geboren, die schützenden Genii eines Trons, die Wohltäter ganzer Völker und
Zeitalter zu sein, alle ihre Weisheit und Tapferkeit durch einen kleinen
schnakischen Streich von Hans Wurst, oder solchen Leuten vereitelt sehen müssen,
welche ohne eben sein Wams und seine gelben Hosen zu tragen, doch gewiss seinen
ganzen Charakter an sich trugen? Wie oft entsteht in beiden Arten der
Tragi-Komödien die Verwicklung selbst lediglich daher, dass Hans Wurst durch
irgend ein dummes oder schelmisches Stückchen von seiner Arbeit den gescheiten
Leuten, eh sie sich's versehen können, ihr Spiel verderbt? - - Manum de tabula!
- - Aber wenn diese Vergleichung, wie wir besorgen, ihren Grund hat; so mögen
wir wohl den Weisen und Rechtschaffenen Mann bedauern, den sein Schicksal dazu
verurteilt hat, unter einem schlimmen, oder - - welches ist ärger? - unter einem
schwachen Fürsten, in die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten verwickelt
zu sein? Was wird es ihm helfen, Einsichten und Mut zu haben, nach den besten
Grundsätzen und nach dem richtigsten Plan zu handeln; wenn das verächtlichste
Ungeziefer, wenn ein Sklave, ein Kuppler, eine Bacchidion, oder etwas noch
schlimmers, irgend ein Parasite, dessen ganzes Verdienst in Geschmeidigkeit,
Verstellung und Schalkheit besteht, es in ihrer Gewalt haben, seine Maßregeln zu
verrücken, aufzuhalten, oder gar zu hintertreiben? Indessen bleibt ihm, wenn er
sich einmal an ein so gefahrvolles Abenteuer gewagt hat, wie zum Exempel
dasjenige, welches Agaton wirklich zu bestehen hat, kein andres Mittel übrig,
sich selbst zu beruhigen, und auf alle Fälle sein Betragen vor dem
unparteiischen Gericht der Weisen und der Nachwelt rechtfertigen zu können - -
als dass er sich, eh er die Hand ans Werk legt, einen regelmäßigen Plan seines
ganzen Verhaltens entwerfe. Wenn gleich alle Weisheit eines solchen Entwurfs ihm
für den Ausgang nicht Gewähr leisten kann; so bleibt ihm doch der tröstende
Gedanke, alles getan zu haben, was ihn, ohne Zufälle die er entweder nicht
vorhersehen, oder nicht hintertreiben konnte, des glücklichen Erfolgs hätte
versichern können.
    Dieses war also die erste Sorge unsers Helden,
