 tun, was die Sinne gelüsten (der einzigen Art
von Freiheit, welche von der Tyrannie eben so sehr begünstiget als sie von der
echten bürgerlichen Freiheit ausgeschlossen wird) die Oberhand gewonnen haben;
dass, sage ich, in einem solchen Staat, eine ausgelassene und allein auf
Befriedigung ihrer Leidenschaften erpichte Jugend sich mit gutem Grunde von der
unumschränkten Regierung eines Einzigen ihrer Art, unendlich mehr Vorteile
versprach als von der Aristocratie, deren sich die ältesten und
Verdienstvollesten bemächtigen; oder von der Democratie, worin man ein
abhängiges und ungewisses Ansehen mit soviel Beschwerlichkeiten, Kabalen, Unruh
und Gefahr, oft auch mit Aufopferung seines Vermögens teurer erkaufen muss, als
es sich der Mühe zu verlohnen scheint.
    Der junge Dionysius setzte sich also durch einen Zusammenfluss günstiger
Umstände, in den ruhigen Besitz der höchsten Gewalt zu Syracus; und es ist
leicht zu erachten, wie ein übelgezogner, und vom Feuer seines Temperaments zu
allen Ausschweifungen der Jugend hingerissener Prinz, unter einem Schwarme von
Parasiten, dieser Macht sich bedient haben werde. Ergötzungen, Gastmähler,
Liebeshändel, Feste welche ganze Monate dauerten, kurz eine stete Berauschung
von Schwelgerei, machten die Beschäftigungen eines Hofes von törichten
Jünglingen aus, welche nichts angelegeners hatten, als durch Erfindung neuer
Wollüste sich in der Zuneigung des Prinzen fest zu setzen, und ihn zu gleicher
Zeit zu verhindern, jemals zu sich selbst zu kommen, und den Abgrund gewahr zu
werden, an dessen blumichtem Rand er in unsinniger Sorglosigkeit herumtanzte.
    Man kennt die Staatsverwaltung wollüstiger Prinzen aus älteren und neueren
Beispielen zu gut, als dass wir nötig hätten, uns darüber auszubreiten. Was für
eine Regierung ist von einem jungen Unbesonnenen zu erwarten, dessen Leben ein
immerwährendes Bacchanal ist? Der keine von den großen Pflichten seines Berufs
kennt, und die Kräfte, die er zu ihrer Erfüllung anstrengen sollte, bei
nächtlichen Schmäusen und in den feilen Armen üppiger Buhlerinnen verzettelt?
Der, unbekümmert um das Beste des Staats, seine Privat-Vorteile selbst so wenig
einsieht, dass er das wahre Verdienst, welches ihm verdächtig ist, hasset, und
Belohnungen an diejenigen verschwendet, die unter der Maske der eifrigsten
Ergebenheit und einer gänzlichen Aufopferung, seine gefährlichen Feinde sind?
Von einem Prinzen, bei dem die wichtigsten Stellen auf die Empfehlung einer
Tänzerin oder der Sklaven, die ihn aus- und ankleiden, vergeben werden? Der sich
einbildet, dass ein Hofschranze, der gut tanzt, ein Nachtessen wohl anzuordnen
weiß, und ein überwindendes Talent hat, sich bei den Weibern in Gunst zu setzen,
unfehlbar auch das Talent eines Ministers oder eines Feldherrn haben werde;
oder, dass man zu allem in der Welt tüchtig sei, sobald man die Gabe habe ihm zu
gefallen? - - Was ist von einer solchen Regierung
