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Schaden getan hat, als ihre Tyrannen zusammengenommen. Die Syracusaner hatten
den Genie der Künste und der Musen; sie waren lebhaft, sinnreich und zum
spottenden Scherze aufgelegt; heftig und ungestüm in ihren Bewegungen, aber so
unbeständig, dass sie in einem Zeitmass von wenigen Tagen von dem äußersten Grade
der Liebe zum äußersten Hass, und von dem würksamsten Enthusiasmus zur
untätigsten Gleichgültigkeit übergehen konnten; lauter Züge, durch welche sich,
wie man weiß, die Atenienser vor allen andern griechischen Völkern ausnahmen.
Beide empörten sich mit eben so viel Leichtsinn gegen die gute Regierung eines
einzigen Gewaltabers, als sie fähig waren mit der niederträchtigsten Feigheit
sich an das Joch des schlimmesten Tyrannen gewöhnen zulassen: Beide kannten
niemals ihr wahres Interesse, und kehrten ihre Stärke immer gegen sich selbst:
Mutig und heroisch in der Widerwärtigkeit, allezeit übermütig im Glück, und
gleich dem äsopischen Hund im Nil, immer durch schimmernde Entwürfe verhindert,
von ihren gegenwärtigen Vorteilen den rechten Gebrauch zu machen; durch ihre
Lage, Verfassung, und den Geist der Handelschaft, der Spartanischen Gleichheit
unfähig, aber eben so ungeduldig, an einem Mitbürger große Vorzüge an
Verdiensten, Ansehen oder Reichtum zu ertragen; daher immer mit sich selbst im
Streit, immer von Parteien und Factionen zerrissen; bis, nach einem langwierigen
umwechslenden Übergang von Freiheit zu Sklaverei und von Sklaverei zu Freiheit,
beide zuletzt die Fesseln der Römer geduldig tragen lernten; und sich weislich
mit der Ehre begnügten, Athen die Schule, und Syracus die Korn-Kammer dieser
Majestätischen Gebieterin des Erdbodens zu sein.
    Nach einer Reihe von so genannten Tyrannen, das ist, von Beherrschern,
welche sich der einzelnen und willkürlichen Gewalt über den Staat bemächtiget
hatten, ohne auf einen Beruf von den Bürgern zu warten, war Syracus und ein
großer Teil Siciliens mit ihr endlich in die Hände des Dionysius gefallen; und
von diesem, nach einer langwierigen Regierung, unter welcher die Syracusaner
gewiesen hatten, was sie zu leiden fähig seien, seinem Sohne, dem jüngeren
Dionysius endlich angefallen. Das Recht dieses jungen Menschen an die königliche
Gewalt, deren er sich nach seines Vaters Tod (den er selbst durch einen
Schlaftrunk beschleuniget hatte) anmasste, war noch weniger als zweideutig; denn
sein Vater konnte ihm kein Recht hinterlassen, das er selbst nicht hatte. Aber
eine starke Leibwache, eine wohlbefestigte Citadelle, und eine durch die
Beraubung der reichesten Sicilianer angefüllte Schatzkammer ersetzte den Abgang
eines Rechts, welches ohnehin alle seine Stärke von der Macht zieht, die es
gelten machen muss, und aus eben diesem Grunde dessen leicht entbehren kann.
Hiezu kam noch, dass in einem Staat, worin der Geist der politischen Tugend schon
erloschen ist, und grenzenlose Begierden nach Reichtümern, und der
schmeichelhaften Freiheit alles zu
