 überwiesen zu sein, dass dieses
innerliche Gefühl, durch dessen Zeugnis er die Schlüsse des Sophisten zu
entkräften vermeint hatte, nur ein sehr zweideutiges Kennzeichen der Wahrheit
sei; dass Hippias eben soviel Recht habe, seinen tierischen Materialismus und
seine verderbliche Moral, als die Teosophen ihre geheimnisvolle Geister-Lehre
durch die Stimme innerlicher Gefühle und Erfahrungen zu autorisieren; und dass es
vermutlich allein dem verschiedenen Schwung unsrer Einbildungs-Kraft beizumessen
sei, wenn wir uns zu einer Zeit geneigter fühlen, uns mit den Göttern, zu einer
andern mit den Tieren verwandt zu glauben; wenn uns zu einer Zeit alles sich in
einem ernstaften, und schwärzlichten, zu einer andern alles in einem fröhlichen
Lichte darstellt; wenn wir izt kein wahres und gründliches Vergnügen kennen, als
uns mit stolzer Verschmähung der irdischen Dinge in melancholische Betrachtungen
ihres Nichts, in die unbekannten Gegenden jenseits des Grabes, und die
grundlosen Tiefen der Ewigkeit hineinzusenken; ein andermal kein reizenderes
Gemälde einer beneidenswürdigen Wonne, als den jungen Bacchus, wie er, sein
Epheu-bekränztes Haupt in den Schoss der schönsten Nymphe zurückgelehnt, und mit
dem einen Arm ihre blendenden Hüften umfassend, den andern nach der düftenden
Trinkschale ausstreckt, die sie ihm lächelnd voll Nectars schenkt, von ihren
eignen schönen Händen aus strotzenden Trauben frisch ausgepresst; indes die
Faunen und die fröhlichen Nymphen mit den Liebes-Göttern mutwillig um ihn her
hüpfen, oder durch Rosengebüsche sich jagen, oder müde von ihren Scherzen, in
stillen Grotten zu neuen Scherzen ausruhen. Der Schluss, den er aus allen diesen
Betrachtungen, und einer Menge andrer, womit wir unsre Leser verschonen wollen,
zog, war dieser: Dass die erhabenen Lehrsätze der Zoroastrischen und Orphischen
Teosophie, wahrscheinlicher Weise (denn gewiss getraute er sich über diesen
Punkt noch nichts zu behaupten) nicht viel mehr Realität haben könnten, als die
lachenden Bilder, unter welchen die Maler und Dichter die Wollüste der Sinnen
vergöttert hatten; dass die ersten zwar der Tugend günstiger, und das Gemüte zu
einer mehr als menschlichen Hoheit, Reinigkeit und Stärke zu erheben schienen,
in der Tat aber der wahren Bestimmung des Menschen wohl eben so nachteilig sein
durften, als die letztern; teils, weil es ein widersinniges und vergebliches
Unternehmen scheine, sich besser machen zu wollen, als uns die Natur Laben will,
oder auf Unkosten des halben Teils unsers Wesens nach einer Art von
Vollkommenheit zu trachten, die mit der Anlage desselben im Widerspruch steht;
teils weil solche Menschen, wenn es ihnen auch gelänge, sich selbst zu
Halbgöttern und Intelligenzen umzuschaffen, eben dadurch zu jeder gewöhnlichen
Bestimmung des geselligen Menschen desto untauglicher würden. Aus diesem
Gesichtspunct deuchte ihn der Enthusiasmus des Teosophen zwar unschädlicher als
das System des Wollüstlings; aber der menschlichen Gesellschaft eben so
unnützlich
