 nach welchen ich eure
öffentlichen Handlungen zu leiten gewünscht hätte, die Maßregeln meines eigenen
Verhaltens sind. Mein Vermögen hat mehr zum Gebrauch eines jeden unter euch, als
zu meinem eigenen gedienet. Ich habe mir Undankbare verbindlich gemacht, und
diese Erfahrung lehrt mich, Güter mit Gleichgültigkeit zurückzulassen, welche
ich übel anwendete, da ich sie am besten anzuwenden glaubte. Dieses, ihr
Atenienser, ist alles, was ich zu meiner Verteidigung zu sagen habe. Ihr seid
nun, weil euch die Menge eurer Arme zu meinen Herren macht, Meister über meine
Umstände, und wenn ihr wollt, über mein Leben. Verlangt ihr meinen Tod, so
meldet mir nur, was ich in eurem Namen, dem weisen und guten Socrates sagen
soll, zu dem ihr mich schicken werdet. Begnügt ihr euch aber, mich aus euren
Augen zu verbannen, so werde ich mit dem letzten Blicke nach einem einst
geliebten Vaterland, eine Träne auf das Grab eurer Glückseligkeit fallen lassen;
und, indem ich aufhöre ein Atenienser zu sein, in der Welt, die mir offen
steht, in einem jeden Winkel, wo es der Tugend erlaubt ist, sich zu verbergen,
ein besseres Vaterland finden.
    Es ist leicht zu vermuten, schöne Danae, dass eine Apologie aus diesem Ton
nicht geschickt war, mir ein günstiges Urteil auszuwirken. Die Erbitterung, die
dadurch in den Gemütern der meisten erregt wurde, welche das angenehme
Schauspiel, mich vor ihnen gedemütigt zu sehen, zu genießen erwartet hatten,
war auf ihren Gesichtern ausgedrückt. Dem ungeachtet sah ich niemal eine größere
Stille unter dem Volk, als da ich aufgehört hatte zu reden. Sie fühlten, wie es
schien, wider ihren Willen, dass die Tugend auch ihren Hässern Ehrfurcht
einpräget; aber eben dadurch wurde sie ihnen nur desto verhasster, je stärker sie
den Vorzug fühlten, den sie dem beklagten, verlassenen und von allen
Auszierungen des Glücks entblößten Agaton über die Herren seines Schicksals
gab. Ich weiß selbst nicht, wie es zuging, dass mir mein guter Genius aus dieser
Gefahr heraushalf: Aber, wie die Stimmen gesammelt wurden, so fand sich, dass die
Richter, gegen die Hoffnung meiner Ankläger sich begnügten, mich auf ewig aus
Griechenland zu verbannen, die Hälfte meiner Güter zum gemeinen Wesen zu ziehen,
und die andere Hälfte meinen Verwandten zuzusprechen. Die Gleichgültigkeit,
womit ich mich diesem Urteil unterwarf, wurde in diesem fatalen Augenblick, der
alle meine Handlungen in ein falsches Licht setzte, für einen Trotz aufgenommen,
welcher mich alles Mitleidens unwürdig machte; doch erlaubte man meinen
Freunden, sich um mich zu versammeln, mir ihre Dienste anzubieten, und mich aus
Athen zu begleiten: welches ich, ungeachtet mir eine längere Frist gegeben
worden war,
