 weisesten Entwürfe?
    Hier hielt Agaton eine Zeitlang inne; sein in Zweifeln verwickelter Geist
arbeitete sich loszuwinden, bis ein neuer Blick auf die majestätische Natur die
ihn umgab, eine andre Reihe von Vorstellungen in ihm entwickelte. - Was sind,
fuhr er mit sich selbst fort, meine Zweifel anders, als Eingebungen der
eigennützigen Leidenschaft? Wer war diesen Morgen glücklicher als ich? Alles war
Wollust und Wonne um mich her. Hat sich die Natur binnen dieser Zeit verändert,
oder ist sie minder der Schauplatz einer grenzenlosen Vollkommenheit, weil
Agaton ein Sklave, und von Psyche getrennet ist? Schäme dich, Kleinmütiger,
deiner trübsinnigen Zweifel, und deiner unmännlichen Klagen! Wie kannst du
Verlust nennen, dessen Besitz kein Gut war? Ist es ein Übel, deines Ansehens,
deines Vermögens, deines Vaterlandes beraubt zu sein? Alles dessen beraubt warst
du in Delphi glücklich, und vermisstest es nicht. Und warum nennest du Dinge
dein, die nicht zu dir selbst gehören, die der Zufall gibt und nimmt, ohne dass
es in deiner Willkür steht sie zu erlangen oder zu erhalten? Wie ruhig, wie
heiter und glücklich floss mein Leben in Delphi hin, ehe ich die Welt, ihre
Geschäfte, ihre Sorgen, ihre Freuden und ihre Abwechselungen kannte; eh ich
genötigt war, mit den Leidenschaften andrer Menschen, oder mit meinen eigenen
zu kämpfen, mich selbst und den Genuss meines Daseins einem undankbaren Volke
aufzuopfern, und unter der vergeblichen Bemühung, Toren oder Lasterhafte
glücklich zu machen, selbst unglücklich zu sein! - Meine eigene Erfahrung
widerlegt die ungerechten Zweifel des Missvergnügens am besten. Es waren
Augenblicke, Tage, lange Reihen von Tagen, da ich glücklich war, glücklich in
den frohen Stunden, da meine Seele, vom Anblick der Natur begeistert, in
tiefsinnigen Betrachtungen und süßen Ahnungen, wie in den bezauberten Gärten der
Hesperiden irrte; glücklich, wenn mein befriedigtes Herz in den Armen der Liebe,
aller Bedürfnisse, aller Wünsche vergaß, und nun zu verstehen glaubte, was die
Wonne der Götter sei; glücklicher, wenn in Augenblicken, deren Erinnerung den
bittersten Schmerz zu versüßen genug ist, mein Geist in der großen Betrachtung
des Ewigen und Unbegrenzten sich verlor - Ja du bist, alles beseelende, alles
regierende Güte - ich sah, ich fühlte dich! Ich empfand die Schönheit der
Tugend, die dir ähnlich macht; ich genoss die Glückseligkeit, welche Tagen die
Schnelligkeit der Augenblicke, und Augenblicken den Wert von Jahrhunderten gibt.
Die Macht der Empfindung zerstreut meine Zweifel; die Erinnerung der genossenen
Glückseligkeit heilet den gegenwärtigen Schmerz, und verspricht eine bessere
Zukunft. Alle diese allgemeine Quellen der Freude, woraus alle Wesen schöpfen,
fließen, wie ehmals, um mich her; meine Seele ist
