 bloß von mir selbst war, verschmähte ich den
Beistand einer Kunst, worin der Ruf mir einige Geschicklichkeit zuschrieb. In
diesem Stücke blieb ich meinem gefassten Vorsatz getreu; aber nicht der Kürze und
Gelassenheit, die ich mir vorgeschrieben hatte; der Affect, in den ich
unvermerkt geriet, machte mich weitläufig und etlichemal bitter.
    Meine Rede enthielt eine zusammengezogene Erzählung meines ganzen
Lebenslaufs in Athen; der Grundsätze, welchen ich in der Republik gefolgt war;
und meiner Gedanken von dem wahren Interesse der Atenienser. Ich ging bei
dieser Gelegenheit ein wenig strenge mit ihren Urteilen und Lieblingsprojecten
um; und sagte ihnen, dass ich in der Sache der Schutzverwandten eine Probe
gegeben hätte, nach was für Maximen ich jederzeit in Verwaltung des Staats
gehandelt haben würde; und da diese Maximen so weit von ihrer
Gemütsbeschaffenheit und Denkart entfernt wären: So würden sie sehr weislich
handeln, einen Menschen aus ihrem Mittel zu verbannen, welcher nicht gesonnen
sei, der Wahrheit und den Pflichten eines allgemeinen Freunds der Menschen zu
entsagen, um ein guter Bürger von Athen zu sein.
    Der Schluss meiner Rede liegt mir noch so lebhaft im Gedächtnis, dass ich ihn,
zu einer Probe des Ganzen, wiederholen will. Die Götter, (sagte ich) haben mich
zu einer Zeit, da ich es am wenigsten hoffte, meinen Vater finden lassen: Sein
Ansehen und seine Reichtümer gaben mir viel weniger Freude, als die Entdeckung,
dass ich mein Leben einem rechtschaffenen Mann zu danken hatte. Athen wurde durch
ihn mein Vaterland. Ich sah es als den Platz an, den mir die Götter angewiesen,
um das Beste der Menschen zu befödern. Das Interesse dieser einzelnen Stadt, war
in meinen Augen ein zu kleiner Gegenstand, um dem allgemeinen Besten der
Menschheit vorgesetzt zu werden; aber ich sah beides so genau mit einander
verknüpft, dass ich nur alsdenn gewiss sein konnte, jenes wirklich zu erhalten,
wenn ich dieses beföderte. Nach diesen Grundsätzen habe ich in meinem
öffentlichen Leben gehandelt, und diese Handlungen, deren sich selbst
belohnendes Bewusstsein mir in eine bessere Welt, den unvergänglichen Wohnplatz
der tugendhaften Seelen, folgen wird; diese Handlungen haben mir euren Unwillen
zugezogen. Die Atenienser wollen auf Unkosten des menschlichen Geschlechts groß
sein; und das werden sie so lange sein wollen, bis sie in Ketten, welche sie
sich selbst schmieden, und deren sie würdig sind, sobald sie über Sklaven
gebieten wollen, allen ihren Ehrgeiz auf den rühmlichen Vorzug einschränken
werden, die besten Sprachlehrer, und die gelenkigsten Pantomimen in der Welt zu
sein. Aber Agaton ist nicht dazu gemacht, euren Lauf auf diesem Wege, den die
Gefälligkeit eurer Redner mit Blumen bestreut, beschleunigen zu helfen. Mein
Privatleben hat euch bewiesen, dass die Grundsätze,
