
Lebens niemals dargestellt hatten. Die Bewegung meines Gemüts, die Wehmut, wovon
es durchdrungen war, die Gewissheit, dass ich in wenigen Tagen von allen den
Gunstbezeugungen, womit mich das Glück so schnell, und mit solchem Übermaß
überschüttet hatte, nichts, als die Erinnerung, die uns von einem Traum übrig
bleibt, und von allem, was ich mein genannt hatte, nichts als das Bewusstsein
meiner Redlichkeit, aus Athen mit mir nehmen würde; setzten mich auf einmal
wieder in diesen glückseligen Enthusiasmus, worin wir fähig sind, dem Äußersten,
was die vereinigte Gewalt des Glücks und der menschlichen Bosheit gegen uns
vermag, ein standhaftes Herz und ein heiters Gesicht entgegen zu stellen. Der
unmittelbare Trost, den meine Grundsätze über mein Gemüt ergossen, die Wärme und
neubeseelte Stärke die sie meiner Seele gaben, überzeugten mich von neuem von
ihrer Wahrheit. Ich verwies es der Tugend nicht, dass sie mir den Hass und die
Verfolgungen der Bösen zugezogen hatte; ich fühlte, dass sie sich selbst belohnt.
Das Unglück schien mich nur desto stärker mit ihr zu verbinden; so wie uns eine
geliebte Person desto teurer wird, je mehr wir um ihrentwillen leiden. Die
Betrachtungen, auf welche mich diese Gesinnungen leiteten, lehrten mich, wie
geringhaltig auf der Waage der Weisheit, alle diese schimmernden Güter sind,
welche ich im Begriff war, dem Glück wieder zurückzugeben, und wie wichtig
diejenige seien, welche mir keine republicanische Kabale, kein Dekret des Volks
zu Athen, keine Macht in der Welt nehmen konnte. Ich verglich meinen Zustand in
der höchsten Flut meines Glückes zu Athen mit der seligen Ruhe des
contemplativen Lebens, worin ich in einer glücklichen Unwissenheit des
glänzenden Elends und der wahren Beschwerden einer beneideten Größe, meine
schuldlose Jugend hinweggelebt; worin ich meines Daseins, und der innern
Reichtümer meines Geistes, meiner Gedanken, meiner Empfindungen, der
eigentümlichen und von aller äußerlichen Gewalt unabhängigen Wirksamkeit meiner
Seele froh geworden war, - und glaubte bei dieser Vergleichung, alles gewonnen
zu haben, wenn ich mich, mit freiwilliger Hingabe der Vorteile, die mir indessen
zugefallen waren, wieder in einen Zustand zurückkaufen könnte, den mir meine
Einbildungskraft mit ihren schönsten Farben, und in diesem überirdischen Lichte,
wenn er dem Zustande der himmlischen Wesen ähnlich schien, vormalte. Der
Gedanke, dass diese Seligkeit nicht an die Haine von Delphi gebunden sei, dass die
Quellen davon in mir selbst lägen, und dass eben diese vermeintlichen Güter,
welche mir mitten in ihrem Genuss so viel Unruhe zugezogen, und mich in einem
immerwährenden Wirbel von mir selbst hinweggerissen hatten, die einzigen
Hinternisse meines wahren Glücks gewesen seien. Dieser Gedanke setzte mich in
eine Entzückung, die mich, zum Erstaunen meiner wenigen noch übriggebliebenen
Freunde, gegen
