 mein Herz mir Beifall gibt,
werden auf den Lippen meiner Ankläger zu Verbrechen, mein Verdammungs- wird
ausgesprochen. Von allen verlassen, die sich meine Freunde genannt hatten, und
kurz zuvor die eifrigsten gewesen waren, neue Ehrenbezeugungen für mich zu
erfinden, fliehe ich aus Athen, mit leichtem Herzen, als womit ich vor wenigen
Wochen, unter dem Zujauchzen einer unzählbaren Menge, durch ihre Tore eingeführt
wurde; und entschliesse mich den Erdboden zu durchwandern, ob ich einen Ort
finden möchte, wo die Tugend, von auswärtigen Beleidigungen sicher, ihrer
eigentümlichen Glückseligkeit genießen könnte, ohne sich aus der Gesellschaft
der Menschen zu verbannen. Ich nahm den Weg nach Asien, um an den Ufern des Oxus
die Quellen zu besuchen, aus denen die Geheimnisse des Orphischen Gottesdiensts
zu uns geflossen sind. Ein Zufall führt mich unter einen Schwarm rasender
Bacchantinnen, und ich entrinne ihrer verliebten Wut bloß dadurch, dass ich in
die Hände seeräuberischer Barbaren falle. In diesem Augenblicke, da mir von
allem was man verlieren kann nur noch das Leben übrig ist, finde ich meine
Psyche wieder; aber kaum fange ich an meinen Sinnen zu glauben, dass sie es sei,
die ich in meinen Armen umschlossen halte, so verschwindet sie wieder, und ich
finde mich auf diesem Schiffe, um zu Smyrna als ein Sklave verkauft zu werden -
Wie ähnlich ist alles dieses einem Traum, wo die schwärmende Phantasie, ohne
Ordnung, ohne Wahrscheinlichkeit, ohne Zeit oder Ortin Betracht zu ziehen, die
betäubte Seele von einem Abenteur zu dem andern, von der Krone zum
Bettlers-Mantel, von der Wonne zur Verzweiflung, vom Tartarus ins Elysium
fortreisst? Und ist denn das Leben ein Traum, ein bloßer Traum, so eitel, so
unwesentlich, so unbedeutend als ein Traum? Ein unbeständiges Spiel des blinden
Zufalls, oder unsichtbarer Geister, die eine grausame Belustigung darin finden,
uns zum Scherz bald glücklich bald unglücklich zu machen? Oder, ist es eben
diese allgemeine Seele der Welt, deren Dasein die geheimnisvolle Majestät der
Natur ankündiget; ist es dieser allesbelebende Geist, der die menschlichen
Sachen anordnet; warum herrschet in der moralischen Welt nicht eben diese
unveränderliche Ordnung und Zusammenstimmung, wodurch die Elemente die Jahres-
und Tages-Zeiten, die Gestirne und die Kreise des Himmels in ihrem
gleichförmigen Lauf erhalten werden? Warum leidet der Unschuldige? Warum sieget
der Betrüger? Warum verfolgt ein unerbittliches Schicksal die Tugendhaften? Sind
unsre Seelen den Unsterblichen verwandt, sind sie Kinder des Himmels; warum
verkennt der Himmel sein Geschlecht und tritt auf die Seite seiner Feinde? Oder
hat er uns die Sorge für uns selbst gänzlich überlassen, warum sind wir keinen
Augenblick unsers Zustandes Meister? Warum vernichtet bald Notwendigkeit, bald
Zufall, die
