 sah, wie
lebhaft die ausschweifenden Projecte, womit die Eitelkeit des Alcibiades sie
ehemals bezaubert hatte, bei dieser Gelegenheit wieder aufgewacht waren. Ich
versammelte also das Volk, und wandte alle Kräfte der Rede-Kunst, welche bei
keinem Volk der Welt so viel vermag, als bei den Ateniensern, dazu an, sie von
der Gründlichkeit meiner Entwürfe zu überzeugen, von welchen ich sie so viel
sehen ließ, als zu Erreichung meiner Absicht nötig war. Nachdem ich ihnen die
Größe und den Flor, wozu die Republik, vermöge ihrer natürlichen Vorteile und
innerlichen Stärke, gelangen könne, mit den reizendesten Farben abgemalt hatte;
bemühte ich mich zu beweisen, dass weitläufige Eroberungen, außer der Gefahr,
womit sie durch die Unbeständigkeit des Kriegs-Glücks verbunden seien, den Staat
endlich notwendiger Weise unter der Last ihrer eigenen Größe erdrücken müssten;
dass es einen weit sicherern und kürzern Weg gebe, Athen zur Königin des
Erdhodens zu machen, indem etwas unleugbares sei, dass allezeit diejenige Nation
den Übrigen Gesetze vorschreiben werde, welche zu gleicher Zeit die klügste und
die reichste sei; dass der Reichtum allezeit Macht gebe, so wie die Klugheit den
rechten Gebrauch der Macht lehre; dass Athen in beidem allen andern Völkern
überlegen sein werde, wenn sie auf der einen Seite fortfahre, die Pfleg-Mutter
der wissenschaften und aller nützlichen und schönen Künste zu sein; auf der
andern aber alle ihre Gedanken darauf richte, sich in der Herrschaft über das
Meer fest zu setzen; nicht in der Absicht Eroberungen zu machen, sondern sich in
eine solche Achtung bei den Auswärtigen zu setzen, dass jedermann ihre
Freundschaft suche, und niemand es wagen dürfe, ihren Unwillen zu reizen; dass
für einen am Meer gelegenen Frei-Staat ein gutes Vernehmen mit allen übrigen
Völkern, und eine so weit als nur möglich ausgebreitete Handlung, der natürliche
und unfehlbare Weg sei, nach und nach zu einer Größe zu gelangen, deren Ziel
nicht abzusehen sei, dass aber hiezu die Erhaltung seiner eigenen Freiheit, und
zu dieser die Freiheit aller übrigen, sonderheitlich der benachbarten, oder
wenigstens ihre Erhaltung bei ihrer alten und natürlichen Form und Verfassung,
nötig sei; dass Bündnisse mit seinen Nachbarn, und eine solche Freundschaft,
wobei der andere eben so wohl seinen Vorteil finde, als wir den unsrigen, einem
solchen Staat weit mehr Macht, Ansehen und Einfluss auf die allgemeine Verfassung
des politischen Systems der Welt geben müssten, als die Unterwerfung derselben,
weil ein Freund allezeit mehr wert sei, als ein Sklave; dass die Gerechtigkeit
der einzige Grund der Macht und Dauer eines Staats, so wie das einzige Band der
Gesellschaft zwischen einzelnen Menschen und ganzen Nationen, sei; dass diese
Gerechtigkeit fodre, eine jede politische Gesellschaft (sie
