
zu mir trug, veränderte auf einmal die Meinung, die man von dieser Sache gefasst
hatte; die Atenienser fanden eine Schönheit, von der sie ganz bezaubert waren,
in der Großmut und Herzhaftigkeit, womit ich (wie sie sagten) mich für einen
Freund erklärte, den alle Welt verlassen und der Wut und Übermacht seiner Feinde
preis gegeben hatte. Man tat nun die eifrigsten Gelübde, dass ich den Sieg davon
tragen möchte, und der Enthusiasmus, womit einer den andern ansteckte, wurde so
groß, dass die Gegenpartei sich genötigt sah, den Tag der Entscheidung so weit
hinauszusetzen, als sie für nötig hielten, um die erhitzen Gemüter sich wieder
abkühlen zu lassen. Sie sparten inzwischen keine Kunstgriffe, wodurch sie sich
des Ausgangs zu versichern glaubten; allein der Erfolg vereitelte alle ihre
Massnehmungen. Die Zujauchzungen, womit ich von einem großen Teil des Volkes
empfangen wurde, munterten mich auf; ich sprach mit einem gesetztern Mut, als
man sonst von einem jungen Menschen erwarten konnte, der zum ersten mal vor
einer so zahlreichen Versammlung redete; und vor einer Versammlung, wo der
geringste Handwerksmann sich für einen Kenner und rechtmäßigen Richter der
Beredsamkeit hielt. Die Wahrheit tat auch hier die Wirkung, die sie alle mal
tut, wenn sie in ihrem eigenen Lichte und mit derjenigen Lebhaftigkeit, welche
die eigene Überzeugung des Redners gibt, vorgetragen wird; sie überwältigte alle
Gemüter. Lysias wurde losgesprochen, und Agaton, der nunmehr der Held der
Atenienser war, im Triumph nach Hause begleitet. Von dieser Zeit erschien ich
öfters in den öffentlichen Versammlungen; die Leidenschaft, welche das Volk für
mich gefasst hatte, und der Beifall, der mir, wenn ich redete, entgegen flog,
machten mir Mut, nun auch an den allgemeinen Angelegenheiten Teil zu nehmen; und
da das Glück beschlossen zu haben schien, mich nicht eher zu verlassen, bis es
mich auf den Gipfel der Republicanischen Größe erhoben haben würde; so machte
ich auch in dieser neuen Laue Gunst, worin ich bei dem Volk stund, das Ansehen
der Mächtigsten zu Athen im Gleichgewicht erhielt; und dass meine heimlichen
Feinde selbst, um dem Volk angenehm zu sein, genötigt waren, öffentlich die Zahl
meiner Bewunderer zu vermehren. Der Tod meines Vaters, der um diese Zeit
erfolgte, beraubte mich eines Freundes und Führers, dessen Klugheit mir in dem
gefahrvollen Ozean des politischen Lebens unentbehrlich war. Ich wurde dadurch
in den Besitz der großen Reichtümer gesetzt, mit denen er nur dadurch dem Neid
entgangen war, weil er sie mit großer Bescheidenheit gebrauchte. Ich war nicht
so vorsichtig. Der Gebrauch, den ich davon machte, war zwar an sich selbst edel
und löblich; ich verschwendete sie, um Gutes zu tun; ich unterstützte
