 haben glaube; aber die ich
nichts desto weniger für diejenige Gemütsbeschaffenheit halte, welche uns, unter
den nötigen Einschränkungen, glücklicher als irgend eine andre machen kann.
    Du begreifest leicht, schöne Danae, dass unter lauter Gegen- ständen, welche
über die gewöhnliche Natur erhaben, und selbst schon idealisch sind, jenes
phantastische Modell, dessen ich vorhin erwähnte, in einem so ungewöhnlichen
Grade abgezogen und überirdisch werden musste, dass bei zunehmendem Alter alles
was ich wirklich sah, weit unter demjenigen war, was sich meine Einbildungskraft
zu sehen wünschte. In dieser Gemütsverfassung war ich, als einer von den
Priestern zu Delphi aus Absichten, welche sich erst in der Folg' entwickelten,
es übernahm, mich in den Geheimnissen der Orphischen Philosophie einzuweihen;
der einzigen, die von unsern Priestern hochgeachtet wurde, weil sie die Vernunft
selbst auf ihre Partei zu ziehen, und den Glauben von dessen unbeweglichem
Ansehen das ihrige abhing, einen festern Grund als die Tradition und die Fabeln
der Dichter, zu geben schien.
    Nichts, was ich jemals empfunden habe, gleicht der Entzückung, in die ich
hingezogen wurde, als ich in den Händen dieses Egyptiers, der die geheime
Götterlehre seiner Nation zu uns gebracht hat, in das Reich der Geister
eingeführt, und zu einer Zeit, da die erhabensten Gemälde Homers und Pindars
ihren Reiz für mich verloren hatten, mitten in der materiellen Welt mir eine
Neue, mit lauter unsterblichen Schönheiten erfüllt, und von lauter Göttern
bewohnt, eröffnet wurde.
    Das Alter, worin ich damals war, ist dasjenige, worin wir, aus dem langen
Traum der Kindheit erwachend, uns selbst zuerst zu finden glauben, die Welt um
uns her mit erstaunten Augen betrachten, und neugierig sind, unsre eigne Natur
und den Schauplatz, worauf wir uns ohn unser Zutun versetzt sehen, kennen zu
lernen. Wie willkommen ist uns in diesem Alter eine Philosophie, welche den
Vorteil unsrer Wissensbegierde mit dieser Neigung zum Wunderbaren und dieser
arbeitscheuen Flüchtigkeit, welche der Jugend eigen sind, vereiniget, welche
alle unsre Fragen beantwortet, alle Rätsel erklärt, alle Aufgaben auflöset; eine
Philosophie, welche destomehr mit dem warmen und gefühlvollen Herzen der Jugend
sympatisiert, weil sie alles Unempfindliche und Tote aus der Natur verbannet,
und jeden Atom der Schöpfung mit lebenden und geistigen Wesen bevölkert, jeden
Punkt der Zeit mit verborgenen Begebenheiten und großen Szenen befruchtet, welche
für künftige Ewigkeiten heranreifen; ein System, welches die Schöpfung so
unermesslich macht, als ihr Urheber ist, welches uns in der anscheinenden
Verwirrung der Natur eine majestätische Symmetrie, in der Regierung der
moralischen Welt einen unveränderlichen Plan, in der unzählbaren Menge von
Klassen und Geschlechtern der Wesen einen einzigen Staat, in den verwickelten
Bewegungen aller Dinge einen allgemeinen Richtpunct, in
