 Sinnen fähig sind; eine Wahrheit, welche, ungeachtet einer
Art von stillschweigender Übereinkunft, dass man sie nicht laut gestehen wolle,
von allen Völkern und zu allen Zeiten so allgemein anerkannt worden ist, dass
Karneades, Sextus, Kornelius Agrippa, und Bayle selbst sich nicht getrauet
haben, sie in Zweifel zu ziehen. Ob wir nun gleich nicht Mut genug besitzen,
gegen einen so ehrwürdigen Beweis als das einhellige Gefühl des ganzen
menschlichen Geschlechts abgibt, öffentlich zu behaupten, dass diejenigen
Vergnügungen der Liebe, welche der Seele eigen sind, den Vorzug vor jenen haben:
So werden doch nicht wenige mit uns einstimmig sein, dass ein Liebhaber, der
selbst eine Seele hat, im Besitz der schönsten Statue von Fleisch und Blut, die
man nur immer finden kann, selbst jene von den neueren Epicuräern so hoch
gepriesene Wollust nur in einem sehr unvollkommnen Grade erfahren würde; und dass
diese allein von der Empfindung des Herzens jenen wunderbaren Reiz erhalte,
welcher immer für unaussprechlich gehalten worden ist, bis Rousseau, der
Stoiker, sich herabgelassen, sie in dem fünf und vierzigsten der Briefe der
neuen Heloise, in einer Volkommenheit zu schildern, welche sehr deutlich
beweist, was für eine begeisternde Kraft die bloße halberloschene Erinnerung an
die Erfahrungen seiner glücklichen Jugend über die Seele des Helvetischen
Epictets ausgeübt haben müsse. Ohne Zweifel sind es Liebhaber von dieser Art,
Saint Preux und Agatons, welchen es zukömmt, über die berührte Streitfrage
einen entscheidenden Ausspruch zu tun; sie, welche durch die Feinheit und
Lebhaftigkeit ihres Gefühls eben so geschickt gemacht werden, von den
physicalischen, als durch die Zärtlichkeit ihres Herzens, oder durch ihren
innerlichen Sinn für das sittliche Schöne, von den moralischen Vergnügungen der
Liebe zu urteilen. Und wie wahr, wie natürlich werden nicht diese jene Stelle
finden, die den Verehrern der animalischen Liebe unverständlicher ist als eine
Hetruscische Aufschrift den Gelehrten, - - »O, entziehe mir immer diese
berauschenden Entzückungen, für die ich tausend Leben gäbe! - - Gib mir nur das
alles wieder was nicht sie, aber tausendmal süßer ist als sie« - -
    Die schöne Danae war so sinnreich, so unerschöpflich in der Kunst (wenn man
anders dasjenige so nennen kann, was Natur und Liebe allein, und keine ohne die
andre geben kann) ihre Gunstbezeugungen zu vervielfältigen, den innerlichen Wert
derselben durch die Annehmlichkeiten der Verzierung zu erhöhen, ihnen immer die
frische Blüte der Neuheit zu erhalten, und alles Eintönige, alles was die
Bezauberung hätte auflösen, und dem Überdruss den Zugang öffnen können, klüglich
zu entfernen; dass sie oder eine andre ihres gleichen den Herrn von Büffon selbst
dahin gebracht hätte, seine Gedanken von der Liebe zu ändern, welches vielleicht
alle Marquisinnen von Paris zusammengenommen nicht von
