 so
leicht zu unterscheiden ist, als manche Leute denken.
    So wie es nämlich allen Egoisten zu trotz, Dinge gibt, die wirklich außer
uns sind, so gibt es andre, die bloß in unserm Gehirn existieren. Die ersteren
sind, wenn wir gleich nicht wissen, dass sie sind; die andre sind nur, in so fern
wir uns einbilden, dass sie seien. Sie sind für sich selbst nichts, aber sie
machen auf denjenigen, der sie für wirklich hält, die nämliche Wirkung, als ob
sie etwas wären; und ohne dass die Menschen sich deswegen weniger dünken, sind
sie die Triebfedern der meisten Handlungen des menschlichen Geschlechts, die
Quelle unsrer Glückseligkeit und unsers Elends, unsrer schändlichsten Laster und
unsrer glänzendesten Tugenden.
    Welche Fee oder Zauber-Palast ist schimärischer als dieser Nachruhm, von
welchem doch die größten Männer gestanden haben, dass er der Endzweck ihrer
schönsten Unternehmungen gewesen sei? Alexander, der den fabelhaften Zug des
Bacchus nach Indien realisierte, und sich in tausend freiwillige Gefahren
stürzte, damit die Atenienser von ihm zu reden hätten, zog einer eben so
unwesentlichen Schimäre nach als Don Sylvio, da er auszog um den blauen Papilion
zu entzaubern; in den Augen eines kalten Zuschauers der menschlichen Handlungen
ist der erste ein so großer Tor als der andere, und dieser hat wenigstens den
Vorzug, dass seine Schimäre keinen Schaden tat, da die Schimäre des Eroberers von
Asien eine halbe Welt unglücklich machte.
    Doch wir fangen an zu merken, dass wir uns in Betrachtungen versteigen, die
uns weit genug von unsrer Absicht entfernt haben, dass wir verlegen sind einen
geschicktern Übergang zu finden, als den die Miscellanien-Schreiber zu machen
pflegen, wenn sie nach einem halben dutzend Digressionen wieder dahin zurück
wollen, woher sie gekommen sind.
    Um also wieder zur Sache zu kommen, so werden wir bei der Erzählung unsers
jungen Ritters einen Unterschied machen müssen zwischen demjenigen was ihm
wirklich begegnet war, und zwischen dem, was seine Einbildungs-Kraft hinzugetan
hatte. Wir haben ihn, wie man sich noch erinnern wird, nach dem Abenteuer mit
dem Papilion und dem Bildnis in einem Zustand verlassen, worin seine Phantasie
auf einen außerordentlichen Grad erhöht war. Die Lebhaftigkeit der Bilder, die
sich ihm darstellten, nahm mit der Nacht desto mehr zu, je weniger sie von
äußern Empfindungen geschwächet wurde; es brauchte nur noch einen Grad, um sie
selbst zu einer Art von Empfindungen zu machen. In einer solchen Disposition
wurde er eine feurige Kugel gewahr, die in der Luft daher schwebte, und nach
einer Weile nicht weit von ihm zersprang. Dieses nicht ungewöhnliche Meteor,
welches ein Naturforscher mit beobachtenden Augen angesehen hätte, vollendete
die Bezauberung eines Don Sylvio. Er erinnerte sich,
