 Aufmerksamkeit auf sich selbst erlaubte, ganz deutlich zu verstehen
gegeben hätte, dass sie fähig wäre diesem unbekannten jungen Schläfer alle die
Reichtümer mit Freuden aufzuopfern, denen sie vor wenigen Jahren die
liebenswürdigste Jugend von Valencia aufgeopfert hatte.
    Was die eigentliche Ursache einer so seltsamen Wirkung, und aller derjenigen
sei, wodurch sich die sympatetische Liebe von den übrigen Arten der Liebe
unterscheidet, würde eine Untersuchung sein, die uns zu weit von unsrer
Erzählung entfernte, und wir überlassen es unsern Lesern, sich hierüber
diejenige Hypothese auszuwählen, die ihnen die anständigste ist. Es mag nun
sein, dass die Seelen solcher sympatetischen Geschöpfe in einem vorherigen
Zustande, sich schon gekannt und geliebt haben, oder dass es eine natürliche
Verwandtschaft unter Seelen, und wie es ein Englischer Dichter nennt,
Schwester-Seelen gibt, oder dass ihre Genii in einem besonderen Verständnis mit
einander stehen, oder dass eine musicalische Gleichstimmung ihrer Fibern und
Fibrillen auf eine mechanische Art diese Wirkung hervor bringt: Genug, dass diese
Sympatie sich eben so wirklich in der Natur befindet, als die Schwere, die
Anziehung, die Elasticität, oder die magnetische Kräfte, und dass man es, alles
wohl überlegt, der schönen Donna Felicia eben so wenig übel nehmen kann, dass
sie, von der magischen Gewalt dieses Geheimnisvollen Zugs bezwungen, sich nicht
erwehren konnte, für unsern Helden etwas zu empfinden, das sie noch nie
empfunden hatte, als man es einem gewissen Regulo Vasconi übel auslegen konnte,
dass er, nach Scaligers Bericht, das Wasser nicht zurück halten konnte, so bald
er eine Sack-Pfeife hörte.
    Wir haben Uns, dieses nicht allzu edlen Gleichnisses, ungeachtet wir
besorgen mussten, die Delicatesse unsrer schönen so wohl als hässlichen Leserinnen
dadurch zu beleidigen, mit gutem Vorbedacht bedient, weil es, im Fall die
künftigen Kommentatoren dieser unsrer Geschichte so vorwitzig sein sollten,
unsre wahre Meinung von der Sympatie erforschen zu wollen, dazu dienen kann,
ihnen einiges Licht hierüber zu geben. Und nunmehr kehren wir, ohne uns länger
mit solchen Subtilitäten aufzuhalten, zu unsern beiden Schönen zurück, welche
wir, wie man sich vielleicht noch erinnert, auf dem Rückwege nach Lirias
verlassen haben.
 
                                Elftes Kapitel
               Eines von den gelehrtesten Kapitel in diesem Werte
Der Geschmack der Leute in der Welt ist so verschieden, dass wir nicht davor
stehen können, ob sich nicht Leser finden werden, die sich für die Dame Laura,
ob sie gleich nur eine Schöne von der zweiten Klasse, oder, um uns gelehrt
auszudrücken, eine Dea minorum Gentium ist, vielleicht stärker interessieren als
für ihre Gebieterin selbst. Sollte es solche Liebhaber geben, so werden sie
vermutlich nicht wohl auf uns zu sprechen sein, dass wir ihnen nicht auch einen
Auszug der Geschichte der
