 an den Magister Wilibald
                                                     Grandisonhall, den 12 Sept.
        Hochedler, Hochgelahrter Herr,
            Hochgeehrtester Herr Magister,
Ich war schon durch den Herrn von S. zubereitet, Sie zu lieben und zu verehren:
Ihr Brief aber hat mich ganz bezaubert. Grossbrittannien hat zwar viele große
Geister aus seinem Schose hervorgesendet: wenn ich aber gerecht urteilen soll;
so kann man den Herrn M. Lampert Wilibald unserm Neuton getrost an die Seite
setzen. Ewig Schade, dass ein solcher Mann, wie Sie, kein Präsident einer großen
gelehrten Gesellschaft sein, und dem menschlichen Geschlecht durch seine
Empfindungen den Weg zur Glückseligkeit aufschließen soll! Sie urteilen von dem
Unterricht eines jungen Edelmannes mit einer unnachahmlichen Scharfsinnigkeit;
und ich glaube, Sie wären im Stande, das Herz und den Verstand eines Cronprinzen
zu bilden, und dennoch einen Aufseher der Lustbarkeiten am Hofe abzugeben, wie
die Kunstfeuer anzuordnen. Ich bin nunmehr alt; allein ich habe dennoch die
Oberaufsicht über den jungen Grandison, und sehe, dass er von seinem Lehrer
gehörig unterrichtet wird. Vielmals aber lege ich selbst mit Hand an, und
vornämlich in den höheren Wissenschaften; ja ich hoffe, dass der junge Herr ein
würdiger Sohn Sir Karls werden werde. Sie werden leicht mutmasen, dass ich dabei
ein geruhiges und höchst angenehmes Leben führe. Diese Ruhe ist mir nunmehr um
desto schätzbarer; weil ich mich einen großen Teil meines Lebens außer meinen
Vaterlande aufgehalten, und mit Jacob sagen kann: die Zeit meiner Wallfahrt ist
65. Jahr; wenig und böse ist die Zeit meines Lebens, und langet nicht von der
Zeit meiner Väter in ihrer Wallfahrt. Wie sollte ich mir nunmehr in meinem
Alter eine neue Unruhe über den Hals ziehen, ein Weib nehmen; und wissen Sie,
schätzbarer Freund, ich habe niemals einen rechten Trieb zum Ehestande gehabt,
und ein englischer Geistlicher, wenn er größere Würden erlangen will, tut wohl,
wenn er ein Junggeselle bleibt. Tillotson war der erste Erzbischoff von
Kanterbury, welcher eine Frau hatte. Sein Beispiel aber findet mehrere Tadler
als Nachahmer. Da Sie hingegen in einer ganz anderen Verfassung stehen, und
außerdem einen heftigen Trieb zum Beiliegen empfinden, so heiraten Sie: um den
Verweisen Pauli zu entgehen. Ihr Freund, der Herr v.S. hat mir ohnedem schon
etwas von Ihrer liebe vertrauet, und wenn Sie die Schwürigkeiten heben können,
so wird Sie Jungfer Hannchen zum glückseligsten Magister von Deutschland machen.
Ihrem Gebet empfiehlet sich hiermit
                                      Dero
                                                 gehorsamster Diener u. Verehrer
                                                                       Bartlett.
 
                                  XXII. Brief.
                     Der Magister an Herrn Karl Grandison.
                                                       Kargfeld, den 17. August.
        Hochwohlgebohrner Herr Baronet,
            Gnädiger Herr,
Wenn ich Eu. Excellenz ganz und gar unbekannt wäre, so würde es nötig sein,
meine Unternehmung
