 sich hat
einfallen lassen, nach Ihrem Beispiele eine Frauenzimmerakademie zu stiften? In
der ersten Hitze erklärte sie zwar nach Gewohnheit der Leute, die in das innere
der Wissenschaften keine Einsicht haben, die ganze Einrichtung Ihrer gelehrten
Gesellschaft für pedantisch: aber hernach wurde sie anderes Sinnes und nahm sich
vor, Ihnen nachzuahmen. Diese Frauenzimmerakademie soll unterdessen auf einen
ganz andern Fuß gesetzt sein, es werden keine gewisse Klassen darin Statt
finden, sie glaubt, dass diese aus den Schulen oder Lotterien entlehnet sind und
beiden ist sie gram, den ersteren, weil sie nicht ohne Entsetzen an die
sträflichen Gesichter gedenken kann, die Sie ihr ehemals sollen gemacht haben,
und nun die Schulen für das Element der Pedanten hält; die letztern hasset sie,
weil sie jederzeit verliehrt, ob sie gleich die artigsten Devisen wählt. Den
Entwurf hat sie um weniger Mühe zu der Frauenzimmerakademie verfertigt als Sie
den ihrigen, und das ist auch ganz leicht zu begreifen: eine Kopie ist leichter
zu verfertigen als ein Original. Sie soll nur den schönen Wissenschaften
gewidmet sein, das Fräulein will aber weder Zeitrechnung noch Kritik darunter
rechnen, sondern nur solche Künste, die in den Augen der Frauenzimmer schön
sind, das sind die Wissenschaften neue Moden zu erdenken, neue Brühen zu
verfertigen, neue Lustbarkeiten für das Frauenzimmer zu erfinden, folglich
werden in dieser Akademie Putzmacherinnen, Räterinnen, Köchinnen und alles was
sich auf innen endiget, zu Mitgliedern aufgenommen werden, selbst die
Zigeunerinnen, die aus der Koffeetasse prophezeihen oder aus der Hand und der
Stirn gut Glück prophezeien, nicht ausgeschlossen. Ich habe ihr angeraten diese
Gesellschaft eher das Rathaus der Weiber zu nennen als eine Akademie, damit
unsere Gegend, die durchaus dem gelehrten Rom ähnlich werden soll, auch darin
demselben nicht ungleich sei. Das männliche Geschlecht soll zwar nie Sitz und
Stimme darinnen haben, doch sollen diejenigen von unserm Geschlecht, welche zum
besten der Frauenzimmer arbeiten und in ihrer Kunst etwas besonderes leisten, zu
Ehrenmitgliedern aufgenommen werden. Süße Herren, Paruckenmacher, Schneider,
Schuster und alle, die durch weisen Rat oder durch die Tat etwas beitragen den
Reiz der Schönen zu erhöhen, werden das Diploma erhalten. Ich habe mich bemüht
ihr zu beweisen, dass eine solche Geschaft nicht unter die gelehrten Societäten,
wie Sie eine zu errichten im Begriffe sind, gehörte, wir hielten eine scharfe
Disputation miteinander. Sie verlangte einen Beweis, warum diese ehrlichen
Leute, für welche sie eine Akademie anlegen will, nicht eben sowohl unter die
Gelehrten zu rechnen wären, als der Bader Nikolaus und der Schulmeister zu
Kargfeld. Ich verschwendete alle möglichen Distinctionen, um ihr diesen Irrtum
zu benehmen und ihr den Unterschied unter einem Koch, Peruckenmacher und einem
Bader oder Schulmeister recht deutlich zu machen; allein
