 zu seiner eigenen Erhöhung dienet. Wie glücklich wären wir
nicht, wenn wir in allen Dingen nur das Böse absonderten und das Gute allein uns
zu Nutz zu machen wüssten?
    Also raten sie mir, fragte hierauf der Graf den Herrn von Bellamont, dass
ich dem Beruf des Königs folgen, und mich nach Hof begeben soll? Allerdings,
erklärte sich dieser. So sehr ich auch von den Annehmlichkeiten ihres bisherigen
Umgangs eingenommen bin, und so wehrt mir auch ihre Freundschaft ist, deren
Genuss ich einigermaßen durch dero Abwesenheit verliehren muss, so kann ich doch
mit gutem Gewissen ihnen solches nicht wohl abraten. Gott hat ihnen, allem
Ansehen nach, so große und besondere Gaben, als sie besitzen, nicht zu dem Ende
verliehen, dass sie solche auf ihren Gütern vergraben sollen; Ich merke allzu
deutlich, dass sie zu etwas größeres geschaffen sind. Es ist wahr, sprach der
Herr von Bellamont weiter, das Land-Leben hat etwas überaus süßes für einen
Geist, welcher die Unschuld, die Freiheit und die Ruhe liebt; Allein, wenn alle
tugendhafte und geschickte Leute nur bloß auf ihre eigene Vergnügung denken und
auf dem Lande leben wollten, wer würde in der Welt durch seine Beispiele andere
erbauen? Wer würde den Ausbrüchen der wildesten Laster Einhalt tun? Wer würde
den Hof, das Land und den Staat regieren helfen? helfen? Ich bin zwar nicht der
Meinung, fügte der Herr von Bellamont hinzu, dass man sein eigenes Vergnügen
dabei aus den Augen setzen müsse. Ich habe vielmehr gefunden, dass diese Art zu
denken insgemein einen verborgenen Hochmut zum Grunde hat, und die sicherste
Heuchler zu machen pfleget. Es ist nichts natürlicher und den Absichten des
Schöpfers gemässer, als dass ein jeder Mensch seine Glückseligkeit zu befördern
sucht. Es gibt aber auch zugleich einige große Gemüter die das mit für ihre
Glückseligkeit halten, wenn sie andre können helfen glückselig machen. Man
nennet solche Leute Helden, und es ist gewiss, dass ihr Eifer von dem Himmel
selbst entzündet wird. Man sieht sie mit einem tapfern Mut wider die Bosheit
und Tyrannei sich waffnen, und für die Rechte der Menschheit streiten. Man
sieht sie immer geschäfftig, den einreissenden Unordnungen zu steuren und den
allgemeinen Wohlstand des Staats zu befördern. Sie tun desgleichen, mein
wertester Herr Graf, sie gehen nach Hof, sie bewerben sich um die Gunst des
Königs; Er hat sich von den Lastern einnehmen lassen, machen sie, dass er zurück
kehre und die Tugend liebe. Mit diesen und dergleichen Gesprächen verbrachten
diese beide Herren den Abend mit dem größten Vergnügen.
    Nach einigen Tagen besuchte der Herr von Bellamont nebst seiner Gemahlin und
dessen noch unerwachsenen einzigen Sohn, den Grafen und dessen Frau Mutter zu
Rivera. Der
