 der alle Augenblick verzagen wollte. O welche Abgründe der
Verzweifelung sah ich hier! Ich hatte Tag und Nacht keine Ruh: die greulichste
Larven und Schrecken-Bilder erfüllten auch im Traum meine aufgebrachte
Phantasie. Ich war darüber öfters ganz erstarrt, wann ich aufwachte. Nur das
Herz, als die Quelle des Lebens, bewegte sich noch allein, und trieb, durch die
nahe Angst des Todes, das Leben wieder in die schon erkalte Glieder. Ich fiel
endlich ganz vom Fleisch und wurde so unbesorgt um mein Leben, dass ich solches
vielmehr tausendmahl wünschte aufzugeben, wann ich nur die geringste Empfindung
des Glaubens, als den einzigen Trost, den ich suchte, dadurch hätte erlangen
können.
    Mein Geistlicher, der mich noch immer fleißig besuchte, wünschte mir zu
allen diesen grausamen Anfechtungen und Glaubens-Ubungen Glück. Sie haben, mein
Herr, sprach er, den HErrn der Weisheit und der Liebe so oft und vielmahl von
sich abgewiesen und seiner Allmacht Sohn gesprochen. Er zeigt ihnen nun, dass er
sich kann Recht schaffen; wiewohl diese Ahndung nichts anders ist, als eine
Vorbereitung zu derjenigen Uberzeugung, welche sie suchen. Sie sehen jetzt
deutlich, was der Mensch vor eine elende und jämmerliche Kreatur ist, so bald
Gott die Hand nur ein wenig von ihm abziehet, und ihn in seinem eigenen unreinen
Grunde wühlen lässt. Sie empfinden jetzo den Schrecken der Natur, wenn der
Geist, der in dem Menschen ist, seinen Ursprung verleugnen und gegen den
Schöpfer sich empören will. Wollen sie noch mehr Uberzeugungen haben? worauf
warten sie noch? wollen sie, dass Gott die ganze Natur verkehren und ihre
Ordnungs-Kette zerreißen soll, um sie durch neue Wunder-Wercke zu überzeugen?
oder warten sie bis Gott selbst mit ihnen aus einem feurigen Busche, unter dem
Krachen und Blitzen der Elementen reden, oder ihnen unter der Gestalt eines
alten Manns, oder eines sichtbaren Geistes erscheinen wird? O wie übel würden
sie sich dabei finden: ihre Vernunft würde es für ein Gauckelspiel der
Phantasie halten, oder für eine androhende Verrückung des Gehirns, oder für
einen Betrug der Geistlichen, wie sie dessen öfters beschuldiget werden. Dieses
alles würde sie und ihre grüblende Vernunft noch lange nicht überzeugen.
    Lasst uns deswegen fuhr der Geistliche fort, ein wenig aufrichtiger und
einfältiger mit Gott handeln. Lasst uns in unser eigen Herz eingehen, und darin
die Wirkungen des Göttlichen Geistes wahrnehmen. Was ist dasjenige, das uns, da
wir von Natur ganz elend und verdorben sind, das Gute wünschen und lieben macht?
woher kommt die Regung, die uns ein Verlangen nach einem unendlichen Gut
einflöset? diesen innern Bewegungen müssen wir Raum lassen, und ihrem Ursprung
nachspüren. Da findet die Seele bald
