 uns
solchen weder geben, noch nehmen, er kommt von oben: sein Ursprung ist ganz
göttlich. Mit zancken und disputiren wird er nicht erlangt: durch bloße
menschliche Vernunft und durch vieles scharffsinnige Nachdencken auch nicht.
GOTT, zeigt dadurch, dass der Glaube nicht ein Werck unsers Verstandes sei. Wie
sehr muss ihm also unser Gezäncke missfallen; da wir also mit einem schwachen
Lichtgen, wie unser Verstand ist, seine Wercke, seine Absichten und seine ganze
Hausshaltung beleuchten, und das allergröste Wesen nach unsern allerkleinsten
Begriffen abmessen wollen. Der Hochmut aber lässt nicht nach, er ist das Gift,
so wir noch aus dem Paradies gebracht haben: es steckt noch in allen
Adams-Kindern. Der Verstand des Menschen ist etwas göttliches: er unterscheidet
ihn von den Tieren: er will deswegen sich mit dieser Gabe vor allen andern
brüsten: man ist auf nichts eifersichtiger: man will, dass andere Menschen diesen
Vorzug an uns erkennen, bewundern, ja gar, wenn wir etwas zu sagen haben, sich
solchem unterwerffen sollen. O toller Aberwitz! wohin verleiten uns noch die
Einbildungen von unserer eigenen Weissheit?
    Man kann also die Menschen wohl mit Gewalt zu den Pflichten der Religion
zwingen, weil sie dem Gesetz der Natur, der Vernunft und dem Wohlstand eines
bürgerlichen Wesens gemäß sind; aber die Begriffe der Religion müssen wir einem
jeden frei lassen. Dann die Menschen selbst sind davon nicht Meister: sie können
nicht dencken und empfinden, wie sie wollen: sie haben darzu nicht alle eine
gleiche Fähigkeit: der eine hat viel, der andere wenig Verstand: der eine hat
deutliche, der andere verwirrte und der dritte gar keine Begriffe, das Gesetz
der Liebe verbindet uns, mit eines jeden Gebrechen und Schwachheiten Geduld zu
haben: warum nicht auch mit den Mängeln des Verstandes?
    Die äußerliche Religion macht keinen Christen: Es kommt darauf an, wer den
Willen Gottes tut, und im Glauben wandelt. Unsere Spaltungen und Zänckereien in
der Kirche sind noch immer Früchte unsers Unglaubens. Der Glaube wircket
Sanftmut, Liebe, Demut, Geduld. Man hasset, man verfolget sich deswegen nicht
einander: man jaget keinen darüber von Haus und Hof. Man spannet niemand darüber
auf die Galeeren und schmeisset auch niemand darüber tot. Mein Reich ist nicht
von dieser Welt / spricht der Heiland. Er braucht darzu keine Legionen, keine
Ross und Reuter, keine Spiese, Schwert und Bogen. Sein Reich ist ein geistlich
Reich.
    Die beste Gemeine ist demnach wohl diese: worin wenig Glaubens-Artickel,
wenig Zeremonien, wenig Streit-Fragen; und dagegen viel Liebe, viel Einfalt und
viel gute Wercke, als Früchte des Glaubens sich finden.
 
                   Von einem beständigen Frieden in Europa.1
Viele Dinge
