 dem Lande? Warum soll man
ihnen ihre Arbeit um so viel teurer bezahlen? meint man, die Städte würden
dadurch in Abnahm kommen? Wie! dass die größte Städte in Europa Nahrung genug
haben, ohne dass man darin den Handwercks-Leuten einen solchen ganz ungereimten
Vorzug verstattet?
 
                             Von dem Bauern-Stand.
Ehedessen war der Feld- und Garten-Bau eine Beschäftigung großer Leute: Fursten
waren Hirten und Helden pflantzten Bäume. Heut zu Tage ist der Land-Mann die
armseligste unter allen Kreaturen: Die Bauern sind Sklaven, und ihre Knechte
sind von dem Vieh, das sie hüten, kaum noch zu unterscheiden.
    Man kommt auf Dörffer, wo die Kinder halb nackend laufen, und die
Durchreisende um ein Allmosen anschreien. Die Eltern haben kaum noch einige
Lumpen auf dem Leib, ihre Blöse zu bedecken. Ein Paar magere Küh müssen ihnen
das Feld bauen und auch Milch geben. Ihre Scheuren sind leer, und ihre Hütten
drohen alle Augenblick über einen Hauffen zu fallen: Sie selbst sehen verkahmt
und elend aus; und man würde noch mehr Mitleiden mit ihnen haben, wann nicht ein
wildes und viehisches Ansehen ein so hartes Schicksal an ihnen zu rechtfertigen
schien. Wehe den Fürsten! die durch ihre grausame Tyrannei und durch ihre üble
Hausshaltung den Jammer so vieler Menschen verursachen.
    Der Bauer wird wie das dumme Vieh in aller Unwissenheit erzogen; Er wird
unaufhörlich mit Frohn-Diensten, Boten-Lauffen, Treib-Jagen, Schantzen, Graben
und dergleichen geängstiget: Er muss von Morgen bis Abend die Aecker durchwühlen;
es mag ihn die Hitze brennen, oder die Kälte starr machen. Des Nachts liegt er
im Felde, und wird schier ein Wild, um das Wild zu scheuen, dass es nicht die
Staat plündere: Was dem Wild-Zahn entrissen wird, nimmt hernach ein rauer
Beamter auf Abtrag der noch rückständigen Schoss- und Steuer-Gelder weg.
    Wann nun hier der nicht minder boshafte als gequälte Bauers-Mann, seinem
Herrn etwas unterschlagen und mit List entweden kann, so tut er solches mit dem
besten Hertzen von der Welt; und bildet sich ein, die Gerechtigkeit sei nur ein
ausgedachter Vorteil der Großen, damit sie alles sich zueignen könnten; wenn
ihm also die Furcht der Straffe nicht bang machte, so würden die zehen Gebotte
ihn schwerlich von den gröbsten Missetaten zurück halten.
    Solche traurige Beschaffenheit hat es heutiges Tages mit demjenigen Stande,
der an und vor sich selbst der allerunschuldigste und nützlichste ist. So sehr
aber darin wider alle natürliche Billigkeit gehandelt wird, da man durch eine
unumschränckte Gewalt den größten Teil der Menschen ins äußerste Elend
stürtzet, so wenig Vorteil entstehet auch daraus dem Staat. Ein armes Land ist
gleich den mageren Feld-
