 und Gerechtigkeit dabei
gehandhabet, und dagegen diejenige Missbräuche, welche schädlich sind,
sorgfältigst aus dem Wege geräumet werden.
    Eines der größten Ubel in der Handlung ist der ausgelassene Frevel der
Banckeruttirer: Diese sind gleichsam heut zu Tage privilegirte Diebe: Sie
stehlen unter dem Schein eines ehrlichen Mannes: Sie machen Figur mit anderer
Leute Geld: Sie erwerben sich Freunde mit dem ungerechten Mammon. Sie sind die
beste Männer; denn sie schencken alles ihren Weibern, wenn sie hernach nicht
weiter können, so geben sie ihren ehrlichen Namen mit samt der Handlung auf. Sie
zahlen niemand; Es heist, sie wären unglücklich gewesen, sie wären um alles
kommen: und leben hernach von dem Vermögen ihrer Frauen eben so gemächlich, als
zuvor.
    O schädliches Recht! das solchergestalt den Grund aller Gerechtigkeit
durchwühlet, und alle ihre Grund-Sätze umstürtzet! man verdammt denjenigen zum
Galgen, der aus Not stiehlet, und ein Banckeruttirer, der tausend wagt,
darunter öfters kaum zehen sein eigen sind; und der für Ubermut nicht weiß, wie
er genug verprassen soll; dem sollten die Gesetze noch zu Hilfe kommen, und ihm
an statt der wohl verdienten Straffe noch gemächliche Tage verschaffen? O
Zeiten! O Sitten!
    Dieses Ubel in der menschlichen Gesellschaft ist wichtiger, als man sich
solches vorstellet. Die Folgen davon sind abscheulich. Wo die Handlung blühen
soll, da muss der Kredit, da muss Treu und Glauben unterhalten werden; sonst wird
die Kaufmannschaft ein Handwerck der sogenannten Chevaliers d'industrie, um es
höflich zu geben, da es darauf ankommt, wer den andern am listigsten betrügen
und um das Seinige bringen kann.
    Die Handwercker haben ihre Zünfte; diese sind nicht ohne Nutzen, wenn sie
dadurch Zucht, Ehrbarkeit und gute Ordnungen unter sich erhalten: Ihre Gebräuche
aber müssen nicht närrisch sein, noch andern Menschen zum Nachteil gereichen.
Von dieser Art ist das verkehrte Recht, dessen sich die Handwercks-Leute in
gewissen Städten anmassen, dass man alles bei ihnen müsse arbeiten lassen, dabei
sie ihre Arbeit über den Wert schätzen, sie mag geraten sein, oder nicht.
Dieses ist wider alle Vernuft und Billigkeit. Der Betrug, der Ubermut, und die
Liederlichkeit der Handwercks-Leute wird dadurch genähret. Sie vernachlässigen
darüber ihre Arbeit, und dencken, man müsse ihnen solche doch bezahlen. Man ist
deswegen übel mit diesen Leuten dran: Sie meinen, sie müssten gleichwohl mehr
verwohnen: Es sei kostbar in den Städten zu leben: Sie müssten solches auf ihre
Arbeit schlagen: Allein, welchen Nutzen hat das gemeine Wesen davon, dass solche
Leute nur in den Städten sich aufhalten? Was verbindet sie für ein Gesetze, dass
sie mehr ausgeben und üppiger leben, als die Leute auf
