 Gesellschaft großen Nutzen sollte gebracht haben: Unter wenig guten
Büchern, die dadurch den Menschen gemein worden, sind ihnen unzehlich viel
schlechte in die Hände kommen. Wir werden dadurch von den reinen Quellen der
Wissenschaften abgeführet, und die Zeit, die edle Zeit, die wir anwenden könnten,
die gründlichste Sachen zu lernen, geht mit Lesung so vieler nichtswürdigen
Dinge verloren. Der Verstand, welcher die schönste Wahrheiten in seiner ersten
Unterweisung am leichtsten fassen könnte, wird dadurch nur verwirrt und
aufgehalten. Vorurteile, unrichtige Schlüsse und das Ansehen der Lehrer, welche
die Bücher schreiben, umnebeln gleichsam seine Beurteilungs-Kraft, und er
findet desto mehr Müh, das Wahre von dem Falschen zu unterscheiden und seine
Begriffe auszuheitern.
    Wie viel Unordnung, wie viel Zwiespalt, wie viel Blutvergießen haben nicht
bei uns die Religions-Streitigkeiten schon verursachet? Wir machen einen
abscheulichen Lermen, um die Erhaltung der Wahrheit: Ein jeder behauptet, dass er
solche hätte; man streitet, man disputiret darüber; man schilt, man verdammet,
man verfolget sich einander. Dieses ist noch nicht genug; man schmeisset sich
auch wohl gar, wenn man kann, einander darüber tot. Solte man nicht die
Wissenschaften verwünschen und verbannen, die in dem menschlichen Geschlecht
solche Unordnungen und solchen Jammer verursachen? Solte man nicht vielmehr
diejenige glückselige Unwissenheit und Einhalt preisen, die Treu und Redlichkeit
erhält, und die Menschen zusammen in einer süßen Eintracht verbindet?
    Dieses Ubel würde sich nie so weit ausgebreitet haben, wenn der Missbrauch
einer so edlen Kunst, als die Buchdruckerei ist, nicht darzu noch mehr
Gelegenheit gegeben hätte. Die Zänckereien der Gelehrten würden unter den
Gelehrten geblieben sein, und nicht zugleich auch das Volck in ihre Sectireien
und Banden mit eingeflochten haben: Es würden nicht so viele cursus Teologiæ
und Katechismi durch den Druck heraus gekommen sein; die, indem sie die Stärcke
ihrer Verfasser zeigen sollten, ihre Schwåche und Blöse entdecken. Wie es dann
leicht zu beweisen stünde, dass dergleichen jetzo in einem halben Jahrhundert
mehr, als in der ganzen Zeit von Christi Geburt an zu rechnen, heraus gekommen
sind; daraus man mit wenig Müh, und durch die Kunst der Folgen eines Satzes aus
dem andern, wieder so viele besondere Religionen machen könnte. Der ungeheuren
Menge der Streit-Schriften, welche mit der größten Wut und Schmähsucht
geschrieben sind, nicht einmal zu gedenken.
    In der Rechts-Gelährteit ist dieser Missbrauch des Bücherdruckens auf einen
gleichen Grad gestiegen, doch mit dem glücklichen Unterscheid, dass darin die
verschiedene Meinungen nicht solche Zerrüttungen und Spaltungen im gemeinen
Wesen, als die Religions-Streitigkeiten, nach sich gezogen haben.
    Ob man in den übrigen Teilen der Gelehrsamkeit, durch die Erfindung der
Druckerei, weiter als die Alten
