 um welche
er dienet, ist allein fähig ihn zur Beobachtung seiner Pflichten anzuhalten: man
muss ihm nur einen rechten Begriff von der Ehre beibringen. Man muss nicht die
Tollkühnheit zur Tapfferkeit, den Frevel zum Heldenmut, die Leichtfertigkeit
zur Freiheit und den Mutwillen zur Artigkeit machen. Der Soldat soll der
menschlichen Gesellschaft nicht zur Quaal und zum Schaden, sondern zum Schutz
und zur Sicherheit leben: dieses ist die eigentliche Ehr seines Berufs, und
darin bestehet seine ganze Würde.
    Allein, so lange man darzu allerhand liederliches und ehrloses Gesindel aus
allen Winckeln der Erden zusammen wirbet: so lange man darzu nur wilde, müßige
und viehische Pursche nimmt, die sonst zu nichts taugen, als dass sie das
Schiess-Gewehr handtiertn, den Ranzen schleppen, und den Land-Mann plagen
können; so lange die Befehlshaber selbst weder den Krieg verstehen, noch die
wahre Ehre kennen; so lange der Soldat überhaupt die verkehrte Einbildung heget,
er dörffte nichts lernen, und hätte mehr Freiheit, als andere Menschen, wieder
alle Gesetze und gute Sitten zu handeln. So lang ist er der Erden ein Fluch, und
die Schande des menschlichen Geschlechts. Denn das blose rauben, plüdern,
sengen, brennen, morden, würgen und Menschen schlachten, ist fürwahr keine
Hantierung, die sich für ehrliche Leute schicket; wo nicht die gemeine
Sicherheit und die Umstände eines gerechten Kriegs ein solches Opfer von
Menschen-Blut erfordern.
    Soll demnach der Soldaten-Stand das wahre Metier d'honneur, oder
Ehren-Handwerck sein; so müssen solches Leute bekleiden, die Vernunft,
Großmut, Güte und Taferkeit besitzen, und die als Schutz-Engel vor ihre
Mit-Bürger und die gemeine Wohlfahrt wachen.
    Dass bisher zu den Unordnungen des Kriegs-Standes, die im Sold gedungene
Soldaten meistens Ursach gegeben haben, ist wohl eine unter vernünftigen Leuten
ausgemachte Sache: man weiß solches schon lange. Es will aber dem ungeacht
keiner von unsern Potentaten damit den Anfang machen, um solche abzuschaffen;
sie sind vielmehr darauf desto eifriger geworden, dergleichen aus allen Nationen
zusammen gerafftes müssiges Gesindel, zum Verderben ihrer Lånder, in noch
größerer Anzahl, als je zuvor geschehen ist, beständig auf den Beinen zu
halten. So lange aber Vernunft und Erfahrung gelten, so wird man schwer zu
bereden sein, dass dieses zum besten dess Landes geschehe.
    Wenn man natürlich von der Sache urteilen soll, so wär es wohl besser, man
schaffte die um Sold gedungene Soldaten ab: und errichtete dagegen eine
ordentliche National- und Land-Militz. Dieses könnte auf eine Art
bewerckstelliget werden, dass darunter weder die Kammer noch das Land beschweret;
der Zweck aber, zu welchem die Soldaten dienen sollten, weit vollkommener
erhalten würde.
