 bei ihrer ersten Instantz, durch ihre Ältesten und
Vorsteher ausmachen ließ; wobei ihnen auch zu verstatten wär, alle und jede
Unordnung und Verbrechen, welche nicht in die peinliche Rechte liefen, mit
gewissen Geld-Bussen und willkührlichen Straffen zu ahnden.
    Auf diese Weise würden die Richter nicht über alle und jede Kleinigkeiten,
so oft und viel angelauffen werden, und die meiste Sachen, welche bei den
Ober-Dicasterien, wegen der Menge der Klagenden und der weitläufftigen
Prozess-Ordnung öfters gar liegen bleiben, könnten zum Besten der streitenden
Parteien weit kürtzer und mit weniger Müh ausgemacht werden.
 
                                Von der Policei.
Die Policei ist das einzige Mittel im bürgerlichen Leben Ruh, Ordnung und gute
Sitten zu unterhalten. Es ist nicht genug, dass man einen Staat gegen auswärtige
Feinde schützet, und darin die Nahrung zu befördern sucht. Ein Volck, das bei
seinem Uberfluss keine Policei hat, ist wie ein wohlgefüttertes Pferd, welches
nicht zu beritten ist; es lässt sich schwer regieren, und geht öfters mit
seinem Reuter durch, wenn es ihn nicht gar herunter wirfft.
    Bei den alten Deutschen galten, nach dem Zeugnüs eines Römischen
Geschicht-Schreibers, die gute Sitten mehr, als die Gesetze. Betrübtes
Andencken! Nun gelten schier weder die eine, noch die andere mehr. Wir leben bei
allem Druck der Gewaltigen, in einer Sorglosen Freiheit. Ein jeder tut was er
will: wir wagen alles, wir setzen alles aufs Spiel. Geräts, so geräts: wer
verdirbt, der verdirbt. Man schilt auf böse Zeiten: man wirfft die Schuld auf
die Regenten; wo nicht gar auf die göttliche Vorsehung. Dieses ist die
allgemeine Philosophie; so urteilt der Pöbel, so denckt der Burger, so vermisst
sich der Adel. Was Wunder, dass die alte Redlichkeit verloschen ist, dass die
Bosheit herrschet, dass die Unordnungen überhand nehmen, und die Laster schier zu
Tugenden geworden sind.
    Billig sollte man die Policei in den Tempeln suchen: Billig sollte die
Religion selbst uns zu ihrer Beobachtung anhalten: billig sollten die Begriffe
von Gott, der alles durch Weissheit und Ordnung regieret, auch die Menschen
bewegen, all ihr Tun gleichfalls nach dieser Regel einzurichten. Weil aber die
Religion ihre Krafft, und die Tugend ihr Ansehen bei den Menschen verloren hat;
so ist nötig, sie wenigstens durch eine gute Policei von den gröbsten
Ausschweiffungen und Lastern abzuleiten, und, wann es möglich wär, sie auch zum
guten zu zwingen.
    Ihre Haupt-Absicht geht demnach dahin, Ruh und Ordnung, Zucht und
Sicherheit, Nahrung und Billigkeit im gemeinen Wesen zu erhalten. Sie dultet
nicht, dass einer sein Gut verprasse, noch dass er dessen Verlust auf den Umschlag
der Karten und Würffel setze
