 redlichsten und klügsten
Männer, von der sämtlichen Bürgerschaft als Schieds-Richter darzu erwehlet
werden.
    Auf diese Weise wurden die unglückselige Zwistigkeiten zu Alpina durch die
Sanftmut und Weissheit des Grafens von Rivera glücklich beigelegt; und dessen
Wohlstand wieder auf einen sichern Grund gesetzt. Die Alpiner betrachteten den
Grafen als ihren Schutz-Gott, und stiffteten ihm ein unsterbliches Andencken in
ihren Geschichts-Registern. Er hatte in seinem Herzen dafür dasjenige Vergnügen
zur Vergeltung, welches große Gemüter empfinden, wann sie etwas gutes zu Stand
gebracht haben.
 
                            Das siebenzehende Buch.
Der Graf von Rivera besuchte auf seiner Rückreise von Alpina seine Frau Mutter
und den Herrn von Bellamont; seine älteste Schwester aber nahm er mit sich nach
Panopolis; diese Gräfin war ungefähr dreißig Jahr alt: sie besaß dem ungeacht
noch allen Liebreitz der Jugend, und hatte dabei die Klugheit eines reiffen
Alters. Die gezwungene Verstellungen ihres Geschlechts, damit es öfters einen
scheinheiligen Eckel gegen das Heiraten vorschützet, waren nicht die Ursachen
ihres ledigen Standes: sie urteilte davon mit Vernunft, und schätzte sich für
glücklicher ihre Freiheit einem Stand vorzuziehn, welchen die meiste Menschen
mit Verlangen suchen und mit Unzufridenheit beleben.
    Die Gräfin von Monteras empfand ein ungemeines Vergnügen, diese Tugend-volle
Schwester ihres geliebten Grafens bei sich in Prato zu sehen. Sie war seit
dessen Abwesenheit nicht nach Hofe kommen. Nun aber wollte der König, dass ihre
Vermählung mit dem Grafen nicht ferner sollte ausgesetzt bleiben. Der Graf selbst
begunte endlich nach dem glückseligen Augenblick zu seufzen, der ihn mit seiner
Geliebten durch ein unzertrennliches Band auf ewig verknüpffen sollte.
    Es waren unterdessen, dass der Graf zu Alpina sich befand, der
Kammer-President und der Staats-Sekretarius mit dem Hertzogen von Sandilien
dergestalt verfallen, dass sie sich von Hofe entfernen und ihre Aemter in des
Königs Hände zurück geben wollten. Der Graf aber schlug sich ins Mittel: er
wusste, wie nötig diese beide Ministers dem König waren: er suchte sie deshalben
wieder auf gute Meinungen zu bringen: er stellte ihnen vor, wie leid es ihm wär,
dass er zu diesem Missverständnüs Anlas gegeben hätte, und dass er nichts mehr
wünschte, als ihre Weissheit und ihre Erfahrung sich zu Nutz zu machen. Er bat
sie deswegen sich die Mühe zu nehmen, und die von ihm dem König übergebene
Vorschläge von Punkt zu Punkt mit ihm durchzugehen.
    Die konnten ihm wohl dieses nicht abschlagen: sie erklärten ihm ihre
Zweiffel: ihre Schwierigkeiten, und was sie sonst dabei zu bedencken hatten. Der
Graf nahm allhier die Stelle eines Menschen, der nur wollte unterrichtet sein; er
besaß aber die Kunst sich zu erklären und richtige Schlüsse zu machen. Es war
bei ihm kein Eifer eines hitzigen Widerspruchs, der die Einbildung derer
