 aber werden sich nach diesem Leben
auf ewig vereinen. Lebet wohl, mein Gemahl. Liebet mich auch nach dem Tode, wann
es der Zustand von jener Welt und die mir noch unbekannte Ordnung des großen
Schöpfers leiden wird; so soll euch mein Geist von seinem Zustand, wie er von
dem Leibe abgeschieden lebt, einige Nachricht erteilen.
    Sie reichte mir hierauf die Hand, und verschied ohne die allergeringste
Bewegung: mehr als ein Engel, der verschwindet, als ein Mensch, dessen
Lebens-Bande sich mit Schmerzen trennen.
    Ich war noch kein so starker Christ, diesen allzu herben Riss der Natur mir
Standhaftigkeit zu ertragen; Ich sanck darüber zu Boden; Ich litte alle
Schmerzen des Todes, und musste leben, um solche zu empfinden. Ich fiel darüber
in einen so tieffen Kummer, dass ich wie eine Leiche herum ging, alle Menschen
floh, und mich den ganzen Tag hindurch in einem dunckeln Wald, der hinter
meinem Garten lag, verborgen hielt.
    Ich fand mich in einem Stand der Entblössung, worin ich die Nichtigkeit
meiner eignen Weisheit und Stärcke musste erkennen lernen: Es war mir alles
entzogen, womit sich sonst die Menschen trösten können: Die Welt und alles war
mir zuwider. Der König, der von meinem Zustand Nachricht eingezogen hatte, sandt
mir seinen Leib-Artzt, nebst einem von meinen guten Freunden. Ich war ganz
Leutscheu worden, und fühlte deswegen einen heimlichen Schauer, da ich dieser
beiden Herrn ansichtig wurde. Diese Bewegung aber verlor sich bald: sie suchten
mich zu bereden mit ihnen nach Hof zu gehen, sie stellten mir vor, dass nichts
mein Gemut von seinem anhaltenden Leiden hurtiger abziehen würde, als die
Veränderung der Vorwürffe.
    Ich ließ mir raten: ich wollte nicht eigensinnig sein: ich wusste, wie
schädlich diese Gemüts-Art war. Die Bewegung der Reise, die Veränderung der
Luft, die gute Gesellschaft; vornehmlich aber der Entschluss, mich ganz und gar
der Göttlichen Schickung zu überlassen, machten, dass ich ziemlich wohl zu
Palermo ankam.
    Der König erzeigte mir viel Gnad: und nötigte mich endlich gar, zum Zeichen
seiner Gunst, eine junge Dame zu heiraten, die aus einem der größten Häuser von
Sizilien war: Sie war jung, lebhaft und schön. Ich weiß nicht, warum Gott diese
andere Heirat über mich verhänget hat. Vermutlich sollte mir dadurch alle Welt-
und Kreaturen-Liebe völlig verleidet werden.
    Ich hatte noch kaum einige Wochen in dieser Ehe zugebracht, so entdeckte ich
an meiner Gemahlin eine zu allen Ausschweiffungen geneigte Seele: Ihre Laster
machten mich an die Tugenden der Roxelanen dencken; das Verlohrne schien mir
unschätzbar, das Gegenwärtige unerträglich. Meine Frau hatte eine dermaßen üble
Erziehung gehabt, dass sie
